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#1: Endres' Gesamtaufnahme der Klaviersonaten Schuberts (T 1)

Posted on 2006-07-23 19:26:24 by tmorice2000

Zuerst ein paar einleitende Worte: Schuberts Klaviersonaten begleiten
mich seit ca 30 Jahren und deswegen kann alles, was ich dar=FCber sagen
kann, nur subjektiv sein.
Dazu gibt es nicht f=FCr jedes Werk die eine Referenzaufnahme: es h=E4ngt
zu schwer vom Gem=FCtszustand des Zuh=F6rers ab. Deshalb dienen
Vergleiche mit anderen Einspielungen prinzipiell dazu, das zu
vergegenw=E4rtigen, was sich nicht unbedingt mit Worten darstellen
l=E4=DFt (obwohl ich der Meinung bin, da=DF alles Gedachte durch W=F6rter
ausgedruckt werden kann, aber als Ausl=E4nder habe ich sowieso eine
Ausrede ;-) )

D 157 : die erste Sonate spielt Endres mit Feingef=FChl, besonders im
2ten Satz, den er mit extremer Delikatesse darbietet. Eine leichte
Tendenz zum "mechanischen" im ersten Satz, die hier aber kaum auff=E4llt
(ich komme sp=E4ter dar=FCber zu sprechen). Ein gelungener Einstieg in
den Zyklus.

D=2E 279 : hier erreicht Endres nicht Kempffs Unbek=FCmmertheit, versucht
aber nicht, diese Sonate zu =FCberfrachten. Das Resultat ist etwas
blasser als in D. 157, was auch an der Komposition selber liegt.
Immerhin verfehlt das Menuett seine Wirkung nicht (wie bei D. 157 habe
ich keinen Eindruck von Unvollendung, wenn es nach dem dritten Satz
aufh=F6rt)

D=2E 459 : Fehlanzeige. Die neue Schubertforschung will herausgefunden
haben, da=DF nur die 2 ersten der "5 Klavierst=FCcke" eine (unvollendete)
Sonate bilden (die verbliebenen 3 bekamen die D. 459A verpa=DFt). Schade
schade, denn diese 5 St=FCcke lassen sich gut im Zyklus auff=FChren. Da
sie leider nur in Gesamtaufnahmen der Sonaten zu finden sind, werden
sie wohl langsam verschwinden. Kempff und Schiff sind sehr
=FCberzeugend.

D=2E 537 : Endres f=E4ngt gut an, leider entwickelt er sich nicht so.Nach
der Exposition schl=E4gt seine 'mechanische' Seite zu Buche. Damit meine
ich, da=DF er gewisse "Formeln" einfach buchstabiert, ohne sich Gedanken
=FCber Rubato, 'Akzentuierung, Phrasierung zu machen und sie wenn n=F6tig
wie geklont wiederholt. Diese Sonate lebt, mehr noch als D 960, von
Wiederholungen. Nicht nur die Exposition, sondern auch Durchf=FChrung +
Reprise werden wiederholt. Dazu ha=FCfen sich wiederholte 'Formeln' (in
Ermangelung eines besseren Wortes) vor allem im ersten Satz. Arturo
Benedetti Michelangeli hatte es grandios gemeistert, Endres scheitert.
Der zweite Satz f=E4ngt wieder gut an, da tritt aber (im ersten Couplet)
eine gewisse rhythmische Starre auf. Der dritte Satz wiederholt die
Erfahrung des ersten, so da=DF man beim Schlu=DFakkord etwas erleichtert
ist, allerdings ohne zu wissen, wie man bis dahin gekommen ist. Schade
schade.

D=2E 557 : mit D. 279 stilistisch verwandt. Endres nimmt ziemlich
langsame Tempi, betont den mozartschen Charakter des Eckteils des
zweiten Satzes und gibt eine schl=FCssige Darbietung, wo andere
Interpreten (Kempff zB) eher den Eindruck erwecken, diese Sonate sei zu
leichtgewichtig. Da sie es nicht ist, beweist die Tatsache, da=DF andere
Interpretationsans=E4tze auch g=FCltig sind, wie zB Dalbertos, der sie
wie improvisiert spielt, wobei das Mittelteil des 2 Satzes fast jazzy
wirkt.

D=2E566/506 : wieder ein musikwissenschaftliches Problem. Wie viele
S=E4tze hat diese Sonate? 2? 3? 4? Eigentlich sind zuerst 2
erschienen, dann hat man den 3ten entdeckt und schlie=DFlich das Rondo
D=2E506 als Finale angeh=E4ngt. Kempff, Weichert, Schiff bringen 2 S=E4tze;
Richter 3, Dalberto und Schuchter 4. Ich mu=DF gestehn, da=DF entweder 2
oder 4 f=FCr mich die besseren L=F6sungen sind. Endres bringt 3. Der 2ten
Satz hat schon einen abschlie=DFenden Charakter, so da=DF ein Scherzo
ohne Finale danach sich schwer tut. Schuchter gelingt die 4s=E4tzige
Version ganz gut (aus dem Ged=E4chtnis, ich hab sie hier nicht
vorr=E4tig), bei Dalberto zerf=E4llt sie. Kempff und Schiff sind in der
2s=E4tzigen =FCberzeugend. Endres hier ist zu anekdotisch, ohne den Sinn
f=FCr den gro=DFen Bogen zu haben. Beim zweiten Thema des ersten Satzes
wird er hastig und nerv=F6s; er beschleunigt das Ende des 2ten, als ob
er lieber heute als morgen fertig werden m=F6chte, er ist sogar fast
schlampig im 2ten Thema des Scherzos und das Trio singt nicht ....

D=2E 568 : wieder eine Sonate, die ihr Reichtum in verschiedenen
Interpretationsans=E4tze verr=E4t. Schiff ist extrem poetisch, Dalberto
expressionistisch. Endres ziemlich nichtssagend. Wieder fehlt ihm das
Gestalterische und das Mechanische tritt hervor. Der 2te Satz wird zur
hastig buschstabierten Durststrecke; beim 3ten zeigt er uns
'vermaledeyte Hackerey' reinsten Wassers und beim 4ten ignoriert er das
"moderato", als ob er wieder alles schnellstm=F6glich hinter sich
bringen wollte. Sp=E4testens dann fragt man sich, warum er eine
Gesamtaufnahme machen mu=DFte.

D=2E 570/571: Fehlanzeige. Auch hier ein musikwissenschaftliches Problem.
Unvollendete Fragmente, die man sehr hypothetisch (mit Hinzuf=FCgung des
Andante D 604) zusammengepuzzelt hat. Das Problem: einige der
sch=F6nsten klavieristischen Einf=E4lle Schuberts sind hier verborgen.
Weichert bringt eine =FCberzeugende L=F6sung, so da=DF man bereit ist, sie
als vollwertige Schubert-Sonate zu nehmen. Dalberto scheut das
Fragmentarische nicht und l=E4=DFt sich die Poesie allm=E4hlich entfalten
.. Schiff bringt uns nur den (unvollendeten) ersten Satz D 571.

D 575 : wieder eine Sonate, wo es schwerf=E4llt (wie bei D 568),
Kempff-besch=E4digt zu sein. Bei ihm hatte man n=E4mlich den Eindruck,
da=DF alles stimmt, da=DF diese Sonate einfach nicht anders h=E4tte sein
k=F6nnen. Bei Dalberto geht alles gut, bis zum letzten Satz, der gerade
"allegro giusto" bezeichnet wird und wo er das "giusto" nicht findet.
Schiff spielt eher die Karte der Zur=FCckhaltung und l=E4=DFt die
harmonischen Farben schimmern.
Hier gibt uns Endres wieder den Eindruck "warum hab ich mich zu einer
Gesamtaufnahme =FCberzeugen lassen?" Das mechanische Klonen feiert
H=F6hepunkte,

D=2E 612/613 : Fehlanzeige. Auch eine Problemsonate, noch dazu in einem
Virtuoso-Stil, der ziemlich schubertfremd klingt. Weichert und Dalberto
machen daraus ein Salon-St=FCck, was uns an einen mond=E4nen Schubert
denken l=E4=DFt, was beinahe erkl=E4rt, warum diese Sonate unvollendet
wurde

D=2E 625 : weiteres Problemkind, bislang aber das einzige, worum sich
Endres k=FCmmert. Der erste Satz bricht bei der Reprise ab (Dalberto
l=E4=DFt ihn fragmentarisch) und Endres spielt die Erg=E4nzung
Badura-Skodas, die zwar eine ziemlich brutale Modulation enth=E4lt aber
nicht unschubertisch wirkt. Dazu spielt er den langsamen Satz D. 505.
Im ersten Satz gelingt es endlich Endres, Gestaltungswillen zu zeigen,
"Dirigent am Klavier" zu sein, und das tut gut !! Im Trio des Scherzos
(hier as zweiter Satz) zeigt er das Quantum Zur=FCckhaltung, das an
gleicher Stelle in seiner Darbietung der fr=FCheren Sonaten vergeblich
zu suchen war, das Scherzo selber gestaltet er auch =FCberzeugend vom
Klang her. Im Adagio D. 505 kommt endlich der Wanderer, den man in D.
568 u D. 575 u.a. vermi=DFt hatte, allerdings k=F6nnte er etwas
polyphonischer werden. Die Delikatesse, die seit D.157 abwesend war,
zeigt sich aber wieder.
Im letzten Satz drohen noch einige Formeln, ins Mechanische (oder ins
Holprige) zu gleiten, aber Endres erinnert sich schnell daran, da=DF bei
Schubert Formeln nie wie bei einem komponierenden Virtuosen nur Formeln
sind, sondern Gestaltungselemente, und er bringt dieses trunkene
Perpetuum mobile effektvoll zu Ende.

D=2E655 : ein knapp dreiminutiges cis-moll Fragment, das einzig und
allein Weichert darbietet und wof=FCr das Wort "tantalising"scheint,
erfunden worden zu sein.

Bislang ist die Bilanz nicht gerade positiv. Au=DFer D.625 sind nur D.
157, D. 279 und D. 557 wirklich zu retten und das sind nicht gerade
die anspruchsvollsten unter der fr=FChen Sonaten Schuberts. Der Erfolg
von D.625 zeigt aber, da=DF man auf die sp=E4teren Sonaten gespannt sein
kann. Deren Besprechung kommt aber im zweiten Teil ;-)

Thierry

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#2: Re: Endres' Gesamtaufnahme der Klaviersonaten Schuberts (T 1)

Posted on 2006-07-23 20:03:11 by Dieter Goebel

&quot;Thierry Morice&quot; &lt;<a href="mailto:tmorice2000&#64;yahoo.com" target="_blank">tmorice2000&#64;yahoo.com</a>&gt; schrieb im Newsbeitrag
news:<a href="mailto:1153675584.796819.217580&#64;p79g2000cwp.googlegroups.com..." target="_blank">1153675584.796819.217580&#64;p79g2000cwp.googlegroups.com...</a>
Zuerst ein paar einleitende Worte: Schuberts Klaviersonaten begleiten
mich seit ca 30 Jahren und deswegen kann alles, was ich darüber sagen
kann, nur subjektiv sein.

Hallo Thierry,

erst schon mal schönen Dank und viel Anerkennung für den bisherigen
Beitrag;-)
Ich stieÃč erst vor ca. 15 Jahren auf Schuberts Klaviersonaten - via G.
Schuchter. Seitdem lassen sie mich nicht mehr los, ich schlucke auch die
Fragmente, sauge fast jeden Ton in mich ein;-)
Ich besitze W. Kempff und Dalberto, A. Schiff hatte ich, ist aber bei Ebay
verschwunden, da mir zu glatt und unverbindlich.
Schuberts Klaviersonaten sind ihrer Art in jeder Hinsicht einzigartig, ob
vollkommen oder unvollendet, daher auch nicht immer so gelungen, wie man es
von Beethoven her kennt, halt brüchig und teilweise fragmentarisch.
Ich hoffe auf baldige Fortsetzung in der Rezension der vollständigen
Sonaten, die es ja Gott sei Dank auch gibt;-)

Viele GrüÃče
Dieter

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#3: Re: Endres' Gesamtaufnahme der Klaviersonaten Schuberts (T 1)

Posted on 2006-07-24 02:26:39 by tmorice2000

Dieter G=F6bel schrieb:


&gt; Schuberts Klaviersonaten sind ihrer Art in jeder Hinsicht einzigartig, ob
&gt; vollkommen oder unvollendet, daher auch nicht immer so gelungen, wie man =
es
&gt; von Beethoven her kennt, halt br=FCchig und teilweise fragmentarisch.


Bei Schubert ist unvollendet nicht immer ungelungen. Eine gewisse
Symphonie zeigt es ...
Was die Sonaten betrifft, ist nur D 655 im Minimalzustand .....
immerhin k=F6nnte es ein Moment Musical sein ....

Es gibt eine =C4sthetik des Fragments, die gerade Anfang des 19Jhts
zelebriert wird (Schlegel, Novalis ....) Deshalb find ich Dalbertos
L=F6sung, einfach abzubrechen, ziemlich =FCberzeugend. Gerade seine D
570/571 zeigt die Br=FCche, wie der Hieronymus von Leonardo oder
Michelangelos Piet=E0 Rondanini. Wie er oder Richter das Unvollendete im
Finale von D 840 zeigen, gef=E4llt mir mehr als die verschiedenen
Vollendungsversuche, so wohlgemeint sie auch sein m=F6gen.

Den Vergleich mit Beethoven mache ich nicht ... es ist ein anderes
Kosmos. Immerhin gelingt es Beethoven ab und zu, Schubertisch zu
klingen, wie in der &quot;Pastorale&quot; (Sonate) oder im &quot;Sturm&quot;.

Ich w=E4re fast bereit zu sagen, da=DF Schubert, wie Michelangelo, einige
Werke in &quot;non finito&quot; bewu=DFt komponiert hat, gerade, was die Sonaten
betrifft. Das Klavier macht es m=F6glich, das &quot;non finito&quot; zu spielen...

Dies nur als Hypothese, klar ....

Thierry

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