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#1: Pahlen und die Zauberfloete (1)

Posted on 2006-07-08 19:41:57 by Peter Brixius

Ich werde - wie versprochen - mir nun Pahlens Führer zur "Zauberflöte"
genauer ansehen, wobei ich vorhabe, ihn weniger systematisch zu
behandeln, sondern im Fortgang der Lektüre meine Bemerkungen zu
notieren, um an den entscheidenden Knackpunkten diese in einen
gröÃčeren Rahmen zu stellen.

Schon beim Theaterzettel findet sich eine Ãťberraschung. Ganz
unwienerisch bürokratisch steht unter
> Zur Aufführung
> TITEL
> "Die Zauberflöte"
> BEZEICHNUNG
> Oper in zwei Akten (Aufzügen), Text von Emanuel Schikaneder
> [möglicherweise mit Ergänzungen von J.G.K.Giesecke (Pseudonym
> für C.F.Metzler)]. Komponiert im Jahre 1791. Erstaufführung
> auf der Wieden zu Wien am 30.9.1791 unter Leitung des
> Komponisten.

Interessant ist die Erwähnung von Giesecke, die eine höchst
problematische Hypothese der Textgenese exponiert. Otto Rommel hat in
seinem Buch "Die Alt-Wiener Volkskommödie" (1952) die Giesecke-Legende
gründlich auseinander genommen, weiteres ist bei von Komorzynski:
"Entstehung der Zauberflöte" (1955) nachzulesen. Aber das Schlimme ist
doch immer, dass gerade die gröÃčten Eseleien (hier hatte man dem
Mozart-Biografen Otto Jahn (1859) einen "Wirtschaftstratsch"
eingeredet) das längste Leben haben. Um es kurz zu machen, traute man
Schikaneder nicht zu, etwas so Bedeutendes wie den Text zur
"Zauberflöte" geschrieben zu haben, es musste also ein Bedeutenderer
mitgewirkt haben. Angeblich soll der Erfolg des Singspiels "Kaspar der
Fagottist" Schikaneder gezwungen haben, Teile seines Librettos
umzuschreiben. Die rettende Idee dabei sei seinem Choristen Giesecke
gekommen.

Es stimmt so gut wie nichts an dieser Geschichte, davon ist später zu
referieren. Hier sei nur erinnert, dass Mozart den "Kaspar" sah und
davon beiläufig Konstanze berichtete. Wäre es wirklich so gewesen,
dass dieser eine solche Bedeutung im Schaffensprozess gehabt hätte, so
hätte er es bei dem ausführlichen Schriftverkehr sicherlich
mitgeteilt.

Nun kann man diese Giesecke-Legende sicher diskutieren, ihr aber die
Prominenz zu geben, dass gleich auf der ersten Seite darauf
hingewiesen wird, zeigt nur, dass hier Schaum mit etwas geschlagen
wird, was man nicht hinreichend kennt (man kennt nur den Schmäh),
worüber man aber aus der Sekundärliteratur ausreichend informiert sein
könnte. Aber warum nachfragen, wenn der Schmäh doch so schön ist ...

Es grüÃčt

Peter


--
Was ich bin und bleiben will, ist eine Performerin. Das ist
mein Zentrum.
(Anna Netrebko, Berliner Morgenpost vom 11.6.2006)

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#2: Re: Pahlen und die Zauberfloete (2)

Posted on 2006-07-09 10:24:23 by Peter Brixius

Die musikalischen Erläuterungen, die prinzipiell eine Stärke des
Pahlenschen Opernführers darstellen, beginnen nun mit der Ouvertüre.
Zunächst folgen sie ihrem Verlaut

>Ihre Grundtonart ist Es-Dur; in dieser Tonart klingen die
>Tuttiakkorde des Beginns, einschlieÃčlich der Posaunen,
>besonders feierlich.

Ich weiÃč nicht, ob die Tuttiakkorde weniger feierlich klängen, stünden
sie in B oder in As. Die Frage, ob die Tonartenwahl eine Bedeutung
hat, wird erfreulicherweise nicht gestellt. Was mich sprachlich stört,
ist dieses "einschlieÃčlich der Posaunen" - und (dieses Phänomen wird
uns begleiten) das "besonders". Ein Füllwort, eine Bestätigung, für
etwas, das keine Bestätigung mehr braucht.

>Die drei Anfangsakkorde spielen eine wichtige Rolle in der Oper - ob
>eine freimaurerische, wird an anderer Stelle untersucht. Das erste
>Adagio geht, nach einem längeren Seufzermotiv (das auf Paminas Leiden
>hindeuten könnte, wenn wir bei Mozart solche 'tonmalerischen'
>Gedanken überhaupt zulassen wollen), in den Allegro-Hauptteil über,
>der als vierstimmige Fuge beginnt.

Auch hier: Entweder lassen "wir" solche Gedanken (BTW was sind
"tonmalerische Gedanken"?) zu, dann steht uns frei eine Vermutung zu
äuÃčern (dann muss ich sie aber auch in den Kontext des Ganzen stellen,
wenn erst freimaurerische Bezüge vermutet, dann Paminens Leiden
angesprochen werden, wie gestaltet sich es denn nun im weiteren
Verlauf der Ouvertüre?), oder "wir" lassen sie nicht zu, dann ersparen
wir dem Leser auch die mE unbegründete Vermutung.

Die Frage, ob sich die Ouvertüre narrativ erschlieÃčen lässt, halte ich
schon für interessant, umso mehr enttäuscht mich, dass sie hier nur
"angetäuscht" wird.

>Den ersten Einsatz des Themas, das übrigens gar nicht von Mozart ist,
>sondern von diesem einer Sonate Muzio Clementis entnommen wurde,

Hier muss ich - und zwar energisch - unterbrechen :-) Dieses so
verräterisch "übrigens", das uns an dem Tratsch vermeintlicher oder
tatsächlicher Kenner teilhaben lässt, bringt tatsächlich den nächsten
Schmäh - und den sehe ich mir einmal genauer an. Alfred Einstein
(Mozart, 1945 zitiert nach der Auflage von 1973) diskutiert den Fall
ausführlich. Er spricht von der Rolle der "Incipits", also Anfängen,
die Mozart einer Vielzahl von Werken verdient. "Da benutzt er [...]
die Werke anderer Meister, ganz abgesehen von der pädagogischen
Gewöhnung durch den Vater, ein Begonnenes auch zu Ende zu führen. Er
braucht nicht mehr als den Beginn - für die angemessene Fortsetzung,
den 'filo' der Gedanken, die Bestimmung des Charakters weiterer Sätze,
sorgten dann seine Phantasie und sein blitzschnell wählender
Geschmack." (S. 152)

Themen(anfänge), Figurationen, alles Gehörte arbeitet im
Unterbewusstsein von Mozart weiter und kann von ihm abgerufen werden.
Auch dieses Fugenthema hat er gehört, man vermutet, bei dem Wettspiel
zwischen Clementi und ihm (Dezember 1781 oder Januar 1782). Dort
brachte Clementi eine Sonate zu Gehör, zu der Clementi bemerkte "tulit
alter honores" (ein anderer verdiente sich dadurch sein Lob). Was
allerdings bei Clementi ein bemerkenswerter Einfall war (ein
verspätetes "Canzon-francese"-Thema), "füllt sich bei Mozart mit
Inhalt, wird hochsymbolisch durch polyphone Behandlung und polyphones
Erlebnis." (S. 153) Von einem Plagiat ist da nicht mehr zu sprechen
(abgesehen davon, dass die Zeit Mozarts davon eine andere Vorstellung
hatte).

Allerdings hätte er dieses Thema auch aus einem Quartett in Piccinis
"Barone di Torreforte" kennen können - und da sind wir schon an der
Ende der Pahlenschen Weisheit angelangt. Die Unterstellung, dass
dieses Thema einer Sonate Clementis "entnommen" ist falsch, es ist
allenfalls ein Einfall (wenn es nicht der Piccinis war), der seine
Bedeutung erst in der Gestaltung Mozarts findet.

Warum macht Pahlen nun eine solche - für den gedachten Benutzer seines
Führers undurchschaubare - Bemerkung? Die Antwort überlasse ich dem
geneigten Leser.

>bringen in Es-Dur die zweiten, den zweiten Einsatz in B-Dur (also
>völlig den Fugenregeln entsprechend) die zweiten Geigen.

Den Fugenregeln entsprechend - ja, aber warum "völlig entsprechend"?

>Der dritte Einsatz steht wiederum in Es-Dur, der vierte in B-Dur.
>Der ausgedehnte Durchführungsteil (der sowohl in die Fugen- wie
>in eine eventuelle Sonatenform passen würde)

"passen würde" oder passt, "eventuelle Sonatenform" oder Sonatenform?
Was das eine oder das andere bedeutet, wird dem Leser nicht mitgeteilt
(dem auch in der Regel weder "Sonatenform" noch "regelgerechte Fuge"
etwas sagt). Hier zeigt sich die Didaktik Pahlens als eine, die auf
ein zunickendes Einverständnis setzt, nicht aber Begrifflichkeit und
(auch für einen Anfänger) beim Hören erfahrbare Strukturelemente
klärt. Es wird mit dem nonchalanten "übrigens" eine Gemeinschaft von
"Kennern" gebildet, die sich etwas darauf einbilden können, "mehr" zu
wissen - nur *was* sie zu wissen glauben, verstellt mehr als dass es
erleuchtet.

>wird nach dramatischen Verlauf durch die feierlichen Akkorde
>unterbrochen, die hier, (nun allein in den Bläsern) in B-Dur
>stehen

Sind sie nun feierlicher oder weniger feierlich als in Es?

>und ein wenig ausgedehnt sind

Ei? Könnte man dieses "ein wenig" erläutern? Hat sich da rhythmisch
nicht etwas geändert, was mitteilbar wäre?

>aber

aber?

>wiederum dreimal erklingen. Dieses Mal, ohne den ersten
>Adagioteil, setzt sofort wieder der schnelle und sehr bewegte
>Fugen-Allegro-Teil ein und führt die Ouvertüre zu einem eher
>frohen Ende, in dem das Fugenthema immer wieder auftaucht.

Ein *eher* *frohes* Ende :-)

>Diese bei Mozart sehr seltene Form

Die Fuge bei Mozart selten? Aha ...

>entspricht nicht mehr dem festen barocken Gefüge - wie etwa
>bei Bach -

Wie fest war das Gefüge und vor allem wie barock bei Bach?

>ist aber als Vorspiel zu einer turbulenten Musikkommödie
>sehr wirkungsvoll.

Man glaubt es nicht, dass Nichtigkeiten, Verfälschungen, unsaubere
Informationen, die uns bei Pahlens Art der Kommentierung wohl
begleiten müssen, immer noch einmal übertroffen werden können. "Die
Zauberflöte" ist also eine turbulente Musikkommödie (verwechselt
Pahlen da nicht ein paar Opern miteinander?) - etwa wie die Così oder
der Figaro. Was hätten wohl die drei Akkorde, was die fugierten Teile
dort bedeutet und was bedeuten sie hier?

Mozart hat der Ouvertüre mE nicht aus Zufall die Nr. 1 gegeben (sonst
steht die Ouvertüre unnummeriert am Anfang), ein wirkungsvolles
Vorspiel einer turbulenten Musikkommödie ist sie auf jeden Fall nicht,
wie immer man sie deuten mag.

>An mancher Stelle werden Bezüge zu der Mozart an sich näherliegenden
>Sonatenform hörbar:

Sind es jetzt nur mehr Bezüge, nicht mehr die Erfüllung der
Sonatenform, die ja immerhin (nicht zu Unrecht) bedacht worden ist?
Näherliegen wird die Sonatenform nicht Mozart (der konnte mehr!), wohl
aber der Form der Ouvertüre, wie sie sich zur Zeit Mozarts ausgebildet
hatte. Umso sensationeller, was uns in dieser Ouvertüre begegnet -
wovon uns allerdings Pahlen alles Sensationelle verschweigt.

>eine durchaus originelle

richtig abgeschrieben!

>und sehr persönliche Ouvertüre.

Nun, das gibt es doch noch am Ende eine Ãťberraschung. Wie persönlich
ist denn eine Ouvertüre, in der die Akkorde den Freimaurern, das
Fugenthema Clementi entwendet wurden? Ist das angedeutete Leiden
Paminas das "persönliche"? Was erfahren wir denn von der Person
Mozarts in dieser Ouvertüre?

Natürlich ist diese Ouvertüre nicht nur persönlich, sie ist "sehr
persönlich" ...

Es grüÃčt

Peter

--
Was ich bin und bleiben will, ist eine Performerin. Das ist
mein Zentrum.
(Anna Netrebko, Berliner Morgenpost vom 11.6.2006)

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#3: Re: Pahlen und die Zauberfloete (1)

Posted on 2006-07-11 00:14:16 by unknown

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#4: Re: Pahlen und die Zauberfloete (2)

Posted on 2006-07-11 13:47:07 by christiankoehn

Am 9. Juli schrieb Peter Brixius:

>>Ihre Grundtonart ist Es-Dur; in dieser Tonart klingen die
>>Tuttiakkorde des Beginns, einschlieÃčlich der Posaunen,
>>besonders feierlich.

> Ich weiÃč nicht, ob die Tuttiakkorde weniger feierlich klängen, stünden
> sie in B oder in As.

In B-Dur kann man sie ja noch hören: im Verlauf der Ouvertüre und am Anfang
des zweiten Aktes (nach dem Priestermarsch).

> Die Frage, ob die Tonartenwahl eine Bedeutung
> hat, wird erfreulicherweise nicht gestellt.

Statt dessen wird die Bedeutung einfach behauptet. Dieses Suchen nach
Tonartencharakteristika führt bei Mozart sowieso fast immer in die Irre,
denn es funktioniert nur, wenn man die problemlos und zahlreich zu
findenden Gegenbeispiele groÃčzügig ignoriert. Das Kegelstatt-Trio, die
Sinfonia Concertante oder das Jeunehomme-Konzert "besonders feierlich"?
Natürlich nicht. Wirklich aufschlussreich ist einzig das Verhältnis der
Tonarten zueinander, nicht irgendeine absolute Verbindung von Tonart und
Inhalt.

>>Den ersten Einsatz des Themas, das übrigens gar nicht von Mozart ist,
>>sondern von diesem einer Sonate Muzio Clementis entnommen wurde,

Völliger Blödsinn. Es gibt diese Klaviersonate von Clementi, deren Thema
mit den gleichen Tönen (allerdings in B-Dur, also nicht ganz so feierlich
;-)) _beginnt_, wie die Zauberflöten-Ouvertüre. Aber schon in den ersten
beiden Takten fügt Mozart die charakteristischen forte-Akzente auf den
"falschen" Taktzeiten hinzu, ab dem dritten Takt (wo Clementi eine
Wiederholung des ersten mit anschlieÃčender akkordischer Kadenz schreibt)
geht er ganz eigene Wege.

>>Der dritte Einsatz steht wiederum in Es-Dur, der vierte in B-Dur.
>>Der ausgedehnte Durchführungsteil (der sowohl in die Fugen- wie
>>in eine eventuelle Sonatenform passen würde)

> "passen würde" oder passt, "eventuelle Sonatenform" oder Sonatenform?
> Was das eine oder das andere bedeutet, wird dem Leser nicht mitgeteilt
> (dem auch in der Regel weder "Sonatenform" noch "regelgerechte Fuge"
> etwas sagt).

Es ist auch inhaltlicher Unsinn: In einer Fuge würde man nach der
Exposition (gleichbedeutend mit "erster Durchführung") eine weitere
"Durchführung" im Sinne von "Hindurchführung des Themas durch alle Stimmen"
erwarten, in einer Sonate die Hinführung zum zweiten Thema. Beides findet
hier nicht statt.

>>Dieses Mal, ohne den ersten
>>Adagioteil, setzt sofort wieder der schnelle und sehr bewegte
>>Fugen-Allegro-Teil ein und führt die Ouvertüre zu einem eher
>>frohen Ende, in dem das Fugenthema immer wieder auftaucht.

Tatsächlich? In einem fugierten Abschnitt taucht das Thema immer wieder
auf? Erstaunlich! Leider ist Pahlen z.B. entgangen, dass das Fugenthema in
diesem Abschnitt um seine zweite Hälfte verkürzt ist, die Akzente
verschwunden sind, ein chromatischer Kontrapunkt als Neuerung hinzutritt
usw.. Aber das Thema "taucht immer wieder auf". Respekt für solchen
analytischen Scharfsinn!

>>ist aber als Vorspiel zu einer turbulenten Musikkommödie
>>sehr wirkungsvoll.

Da schimmert die Enttäuschung durch, dass Mozart nach dem hoffnungsvoll
strengen Beginn dieser Ouvertüre keine "echte" Fuge komponiert hat. Aber
so streng will Pahlen offenbar nicht sein: Bei einer "turbulenten
Musikkomödie" wird das "lose Gefüge" gerade noch als "wirkungsvoll"
akzeptiert.

>>An mancher Stelle werden Bezüge zu der Mozart an sich näherliegenden
>>Sonatenform hörbar:

Wieder: Mit der Fuge wurde es so recht nichts, die Sonatenform liegt ihm
halt näher.

>>eine durchaus originelle

Dieses gönnerhafte Verteilen von Komplimenten gehört zum Unerträglichsten
an solchen Musikführern.

>>und sehr persönliche Ouvertüre.

> Nun, das gibt es doch noch am Ende eine Ãťberraschung. Wie persönlich
> ist denn eine Ouvertüre, in der die Akkorde den Freimaurern, das
> Fugenthema Clementi entwendet wurden? Ist das angedeutete Leiden
> Paminas das "persönliche"? Was erfahren wir denn von der Person
> Mozarts in dieser Ouvertüre?

Wahrscheinlich heiÃčt "sehr persönlich" hier so viel wie "ich habe im Grunde
nichts verstanden". So ein - wenn auch verstecktes - Eingeständnis ist doch
immerhin ein "eher frohes Ende" ;-).

Viele GrüÃče,

Christian

--
Für das Können gibt es nur einen Beweis: das Tun. (Marie von
Ebner-Eschenbach)

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#5: Re: Pahlen und die Zauberfloete (2)

Posted on 2006-07-12 19:39:01 by Peter Brixius

On Tue, 11 Jul 2006 13:47:07 +0200, Christian Köhn
&lt;<a href="mailto:christiankoehn&#64;gmx.de" target="_blank">christiankoehn&#64;gmx.de</a>&gt; wrote:

Vielen Dank für die Hinweise ...

&gt;Am 9. Juli schrieb Peter Brixius:
&gt;&gt; Die Frage, ob die Tonartenwahl eine Bedeutung
&gt;&gt; hat, wird erfreulicherweise nicht gestellt.
&gt;
&gt;Statt dessen wird die Bedeutung einfach behauptet. Dieses Suchen nach
&gt;Tonartencharakteristika führt bei Mozart sowieso fast immer in die Irre,
&gt;denn es funktioniert nur, wenn man die problemlos und zahlreich zu
&gt;findenden Gegenbeispiele groÃčzügig ignoriert. Das Kegelstatt-Trio, die
&gt;Sinfonia Concertante oder das Jeunehomme-Konzert &quot;besonders feierlich&quot;?
&gt;Natürlich nicht. Wirklich aufschlussreich ist einzig das Verhältnis der
&gt;Tonarten zueinander, nicht irgendeine absolute Verbindung von Tonart und
&gt;Inhalt.

Es ist ja auch eine Art self fulfilling profecy. Wenn ich Es-dur als
Grundtonart der &quot;Zauberflöte&quot; bestimme, die Zauberflöte als
Mysterienspiel (Christoph Peter) sehe, dann &quot;bedeutet&quot; Es-dur &quot;Würde,
Feierlichkeit, Tiefe&quot; (Peter: Die Sprache der Musik in Mozarts
Zauberflöte. Stuttgart. 2. Auflage 1997, S. 130 f.) Kein Wunder, dass
sich bei Oberkogler ̊hnliches findet: &quot;Der dunkelțnige, feierliche
Glanz der Es-Dur-Tonart ist wie der Goldgrund auf alten Ikonen, aus
deren Transzendenz sich die Erscheinungswelt herauslöste und zur
Sichtbarkeit verdichtete.&quot; (Oberkogler: Zauberflöte. Schaffhausen
1982. S. 21) Auch hier geht es darum, Mozarts &quot;Zauberflöte&quot; als
Mysterienspiel zu bestimmen.

&gt;Völliger Blödsinn. Es gibt diese Klaviersonate von Clementi, deren Thema
&gt;mit den gleichen Tönen (allerdings in B-Dur, also nicht ganz so feierlich
&gt;;-)) _beginnt_, wie die Zauberflöten-Ouvertüre.

Ist das die op. 24,2, wie bei mir im Einstein notiert ist?


&gt;Tatsächlich? In einem fugierten Abschnitt taucht das Thema immer wieder
&gt;auf? Erstaunlich! Leider ist Pahlen z.B. entgangen, dass das Fugenthema in
&gt;diesem Abschnitt um seine zweite Hälfte verkürzt ist, die Akzente
&gt;verschwunden sind, ein chromatischer Kontrapunkt als Neuerung hinzutritt
&gt;usw.. Aber das Thema &quot;taucht immer wieder auf&quot;. Respekt für solchen
&gt;analytischen Scharfsinn!
&gt;
:-)

&gt;&gt;&gt;ist aber als Vorspiel zu einer turbulenten Musikkommödie
&gt;&gt;&gt;sehr wirkungsvoll.
&gt;
&gt;Da schimmert die Enttäuschung durch, dass Mozart nach dem hoffnungsvoll
&gt;strengen Beginn dieser Ouvertüre keine &quot;echte&quot; Fuge komponiert hat. Aber
&gt;so streng will Pahlen offenbar nicht sein: Bei einer &quot;turbulenten
&gt;Musikkomödie&quot; wird das &quot;lose Gefüge&quot; gerade noch als &quot;wirkungsvoll&quot;
&gt;akzeptiert.
&gt;

Also &quot;wirkungvoll&quot; für ein Publikum - als leichten Tadel ...

&gt;&gt;&gt;An mancher Stelle werden Bezüge zu der Mozart an sich näherliegenden
&gt;&gt;&gt;Sonatenform hörbar:
&gt;
&gt;Wieder: Mit der Fuge wurde es so recht nichts, die Sonatenform liegt ihm
&gt;halt näher.

:-))

&gt;
&gt;&gt;&gt;eine durchaus originelle
&gt;
&gt;Dieses gönnerhafte Verteilen von Komplimenten gehört zum Unerträglichsten
&gt;an solchen Musikführern.
&gt;
Das ist es auch, was mich zu dem anfänglichen Nachhaken brachte: die
unerträglicher Attributisierung, die wertend (über-)kommentiert, ohne
sich erklären zu müssen.

&gt;&gt;&gt;und sehr persönliche Ouvertüre.
&gt;
&gt;
&gt;Wahrscheinlich heiÃčt &quot;sehr persönlich&quot; hier so viel wie &quot;ich habe im Grunde
&gt;nichts verstanden&quot;. So ein - wenn auch verstecktes - Eingeständnis ist doch
&gt;immerhin ein &quot;eher frohes Ende&quot; ;-).
&gt;
Bei Peter ist es mindestens &quot;sieghaft&quot; und &quot;jubelnd&quot; :-)

Es grüÃčt

Peter

--
Damit wird - nach Tamino, dem noch lebensunbewuÃčten, aber zu Höherem
strebenden Menschen - der zweite der in der &quot;Zauberflöte&quot; vereinten,
verschiedenen, ja entgegengesetzten Welten eingeführt: die des
primitiven, rein sinnlichen Freuden hingegebenen Volkes. (Pahlen)

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