|
|
Musik » de.rec.musik.klassik » Bachfest 6.5.05 Collegium Marianum, A. Hewitt, ensemble amarcord und Lpz. Streichquartett
| Bachfest 6.5.05 Collegium Marianum, A. Hewitt, ensemble amarcord und Lpz. Streichquartett [message #230582] |
Tue, 10 May 2005 17:42 |
|
Was für ein Tag!
Vormittagskonzerte finde ich immer entspannt- alle sind noch frisch, und
wenn was daneben geht, ist der Tag noch lang.
Wir hörten in der Alten Handelsbörse das Collegium Marianum aus
Tschechien. Das Ensemble besteht aus Instrumentalisten und aus Tänzern
(die waren allerdings nicht mit), in Leipzig waren nur fünf Musiker,
nämlich drei Streicher, eine Cembalistin und der Kopf der Gruppe, Jana
Semeradova auf der Traversflöte. Semeradova ist jung, hübsch und kann
verdammt gut flöten. Wenn ich Scout einer kleinen, feinen oder auch
einer grossen, unfeinen Plattenfirma wäre, würde ich sie einsammeln.
Egal, wie schnell ein Stück ist, sie trillert und flötet, hat sichtlich
Freude an dem, was sie tut, und es klingt wirklich toll.
Das Programm bestand aus vielen kleinen Stücken von Bach und Söhnen, ein
Kirnberger war auch dabei. Als ganzes Werk hörten wir die Sonate e-Moll
von J. Chr. Fr. Bach, die h-Moll-Sonate BWV 1030 und die Sonate G-Dur Wq
144 von C. Ph. E. Bach.
Die Frau wird man sich merken müssen.
Abends dann im Kleinen Saal des Gewandhauses Angela Hewitt. Angekündigt
war das WTK II, aber gedruckt im Programm fanden wir dann das Capriccio
B-Dur (stimmt das? Es gab nämlich einen Druckfehler), dann die Englische
Suite Nr. 6 d-Moll und nach der Pause die Ouvertüre nach französischer
Art BWV 831 und die Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll BWV 903.
Hewitt berichtigte selbst die Sache mit dem Capriccio, plauderte fast
vor dem Konzert, total entspannt.
Gespielt hat sie dann im Sauseschritt, es war ein einziges Gedröhn, das
da vom Steinway kam. Was von mir im Sitz übrig blieb, guckte ratlos- wo
bleibt denn jetzt die Musik?
Es war schon Bach, was da zu hören war, aber seine musikalische
Architektur als Stahlmodell sozusagen. Berührt hat mich da gar nichts.
Die Leute waren total aus dem Häuschen, aber offensichtlich ist Angela
Hewitt nichts für mein Bachbild.
Das Nachtkonzert fand in ungewohnter Kulisse statt- in der Peterskirche,
einem Riesending, an dem man sieht, das nicht alle Kirchen instand
gesetzt werden können- überall rohe Wände, keine Bestuhlung mehr, aber
eine riesige Orgel! So Garten-Holzstühlchen waren sternförmig um die
Mitte gruppiert, und das Konzert war ein "komponiertes Konzert" von
Steffen Schleiermacher mit eigenen Kompositionen als sog. "Brücken" von
und zu alten Stücken von Ockeghem, de Prez und Bach, so dass eine Art
Messe entstand. Es sang das ensemble amarcord, das sind 5 ehemalige
Thomaner, die sich als klassische Boygroup zusammengetan haben, und es
spielte das Leipziger Streichquartett. Auch die Orte des Singens und
Spielens waren ungewöhnlich, Schleiermacher schrieb im Programmheft,
dass er das übliche Procedere langweilig findet und es irgendwie anders
machen wollte. So ging auch ein Stück ins andere über, die Sänger sangen
hinter der Altar oder von entfernten Punkten der Kirche, die Streicher
sassen an vier Ecken der Kirche im Dunkeln, nur bei ihrer Musikerlampe.
Es war ein sehr intensives Hörerlebnis, und trotz des grossen dunklen
Raumes doch sehr intim. Wenn ich zur Seite guckte, sah ich den Eingang,
dort war ein schönes kleines rundes Fenster und vor dem Fenster ein
Fliederbaum, der wischte da immer in der Dunkelheit lang, denn es war
stürmisch und regnete.
Die alten Stücke natürlich traumhaft schön, mit den fünf Männerstimmen,
die seit Kindesbeinen wissen, wie man zusammen singt, und die neuen
Sachen eben anders, aber auch stimmig, und eine ganze Englische Suite,
nämlich die a-Moll BWV 807, einmal vom Streichquartett gespielt zu
hören, war schon toll.
Wegen solcher Konzerte fahre ich zum Bachfest- solche Dinge kann man
nicht planen, da erwarte ich nichts, und es wird eine Sternstunde.
Sabine
|
|
|
Gehe zu:
aktuelle Zeit: Thu Jan 8 23:34:05 CET 2009
Insgesamt benötigte Zeit, um die Seite zu erzeugen: 0.12771 Sekunden |