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Bachfest 5.5.05 Chr. Poppen und P. Hantai [message #230581] Tue, 10 May 2005 16:28
Sabine Huguenin  
Hallo,

Christoph Poppen habe ich noch nie gesehen- und als ich ihn sah, wie er
da so ins Gewandhaus schritt, dachte ich, ein Künstlertypus wie seiner
sei schon ausgestorben...so operettenhaft kam er mir vor. Aber nett!

Also, er fiedelte und dirigierte abwechselnd, mit seinem Münchener
Kammerorchester.
Los gings mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3, was ja immer ein
schöner Einstieg ist, wenn es denn gelingt- aber das war hier kein
Problem.
Dann kam Strawinski Konzert in Es Dumbarton Oaks, ich kann mich momentan
an nichts erinnern, aber als ich es hörte, fand ich es ganz gut.

Vor der Pause noch das Konzert a-Moll BWV 1044, Querflöte spielte Henrik
Wiese. Das ist ein sehr versierter Spieler, absolut sicher in allem, was
er tut- muss der Mann denn Flöte spielen? (Übrigens auch einer, der
Farben hört, wie auf seiner Homepage zu lesen ist.)

Nach der Pause Webern- diesmal mit einem etwas längeren Stück, und zwar
dem Streichquartett 1905, orchestriert von Poppen selbst. Grossartige
Filmmusik! Das ging ziemlich unter die Haut, und ich muss mal sehen, ob
ich davon eine Einspielung bekommen kann, auch gern als Streichquartett.

Das letzte Werk war das Brandenburgische Konzert Nr. 5 mit der dollen
Kadanz, und der Mann am Klavier, pardon am Cembalo, Richard Egarr, war
schon den ganzen Abend lang der heimliche Star- jetzt wurde er zum
offensichtlichen. Nach der Kadenz gab es Szenenapplaus wie beim Jazz,
und er hat sich sichtlich sehr darüber gefreut.

So habe ich denn also dieses Orchester auch mal kennengelernt und war
sehr angetan.


Unser Nachtkonzert war noch mal ein grosser Brocken: Die
Goldbergvariationen mit Pierre Hantai. Zum Einspielen wohl ergänzter er
das Programm und spielte zu Anfang zwei Stücke von William Byrd- "The
Woods so wilde" und " The Ground for my Lady Nevell" und 5 Sätze aus der
Englischen Suite Nr.2.
Die Goldbergvariationen dann haben mir überhaupt nicht gefallen. Ich
habe noch nie etwas von Hantai Gespieltes gehört vorher, und ich war
ganz enttäuscht. Er liess ganz oft musikalische Phrasen richtig
zusammenfallen, aber so sehr, dass der Neuanfang quasi ein neues Stück
war- mir ging der Zusammenhang da verloren.
Dazu kam, dass er bis auf die Aria sich praktisch in jeder Variation
verspielte, manchmal das gewählte Tempo nach unten korrigieren musste
und einmal fast richtig raus war. Ob er einen schlechten Tag hatte, ob
es ihm nicht gut ging- wir bekamen nur mit, dass einer vor den Goldbergs
schnell einen Kaffee bringen musste- ich weiss es nicht. Jedenfalls war
es für mich ein echter Flop.
Schade.

Sabine
Re: Bachfest 5.5.05 Chr. Poppen und P. Hantai [message #232018 ] Tue, 17 May 2005 00:17
John Strieder  
Am 10.05.2005 16:28 schrieb Sabine Huguenin:
> Nach der Pause Webern- diesmal mit einem etwas längeren Stück, und zwar
> dem Streichquartett 1905, orchestriert von Poppen selbst. Grossartige
> Filmmusik!

Zuerstmal Danke für Deine schönen und überaus lesenswerten Berichte, ich
möchte das sagen, bevor ich meckere ... "Filmmusik"! Ich hoffe, Du
meinst das nicht so beleidigend, wie es klingt. Gab es 1905 überhaupt
schon Filmmusik? Also dieses Quartett ist wirklich ein sehr
interessantes Stück, geht es doch schon in die "Atonalität" vor, und
dazwischen hört man Dur-Akkorde und alles Andere. Ein Wunder, das alles
so guckt zusammen passt!


> Das ging ziemlich unter die Haut, und ich muss mal sehen, ob
> ich davon eine Einspielung bekommen kann, auch gern als Streichquartett.

Also ich habe eine frühere Aufnahme mit Poppen, sowie das Ganze zwei mal
in Original-Quartett-Fassung. Ausserdem einen Artikel in einem
Webern-Band der Musik-Konzepte. Bei interesse p.m.


Viele Grüsse,

John Strieder
Re: Bachfest 5.5.05 Chr. Poppen und P. Hantai [message #232021 ] Tue, 17 May 2005 09:32
christiankoehn  
Am 17. Mai schrieb John Strieder:

>> Grossartige Filmmusik!

> Zuerstmal Danke für Deine schönen und überaus lesenswerten Berichte, ich
> möchte das sagen, bevor ich meckere ... "Filmmusik"! Ich hoffe, Du
> meinst das nicht so beleidigend, wie es klingt.

Ich bin eigentlich gewohnt, auch auf verborgene Klänge zu hören, aber was
klingt an "großartige Filmmusik" beleidigend?

Viele Grüße,

Christian

--
Mit meiner Frau kann man darüber nicht reden, weil: Sie ist anderer
Meinung. (Niki Lauda)
Re: Bachfest 5.5.05 Chr. Poppen und P. Hantai [message #232345 ] Tue, 17 May 2005 13:39
Sabine Huguenin  
Am Tue, 17 May 2005 00:17:36 +0200 schrieb John Strieder:

> bevor ich meckere ... "Filmmusik"! Ich hoffe, Du
> meinst das nicht so beleidigend, wie es klingt.

Überhaupt nicht! Ich fand die Klänge sehr suggestiv, und wenn ich einen
Film musikalisch untermalen sollte, würde ich das Stück auf jeden Fall
in die engere Wahl ziehen.

Viele Grüsse
Sabine
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