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| Bachfest 4.5.05 Gardiner [message #230580] |
Tue, 10 May 2005 14:39 |
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Hallo,
zweite Runde des Bachfestes, und jetzt der Knaller des Festivals: Das
Bach-Archiv war sichtlich stolz, endlich Gardiner zum Festival gelockt
zu haben.
Und nun gleich mit der Matthäus-Passion!
Wie eigentlich immer, kamen die Solisten aus dem Chor, nur für
Evangelist und Jesus gab es "Fremde": Wir tippten auf Padmore und
Henschel, und es war fast richtig- Dietrich Henschel sang Jesus. und
Christoph Genz hatte die Evangelisten-Partie.
Der Thomanerchor sang den Cantus firmus.
Die Darstellung des Jesus war die ungewöhnlichste, die ich bisher gehört
habe- Henschel sang sehr kraftvoll, ganz vital, sehr direkt und sehr
menschlich. Er singt eigentlich genau so, wie er in der Oper den
Giovanni sang- immer direkt, nie gekünstelt. Dabei hat er aber nie den
Polter-Effekt, diese "Ich soll den selbstbewussten Sänger geben"-
Masche. Bei Gardiner Vol. 1 singt er ja auch, da ist mir das schon
aufgefallen bzw. wurde ich darauf hingewiesen, und seitdem höre
besonders gern die Arie "Mein Herze glaubt und liebt" aus der Kantate
"Die Elenden sollen essen" BWV 75. Besonders bewundernswert finde ich,
dass diese erfrischende Art zu singen in beiden Genres so gut klappt-
sonst ist es ja eher so, dass einer entweder guter Opernsänger ist ODER
Kirchensänger ist. Peter Kooy oder Klaus Mertens könnte ich mir nicht in
Opern vorstellen, und bei anderen Stimmlagen ist es ja ähnlich- Andreas
Scholl singt zwar immer wie ein Engel, aber spielen kann er nicht.
Christoph Genz hat ja schon öfter die Partie des Evangelisten gesungen,
und er macht das mit einer Sicherheit, die angesichts seines Alters
erstaunlich ist.
In den vergangenen Jahren haben wir immer, wenn Genz sang, uns relaxt
zurücklehnen können- erwarteten aber nichts Überdurchschnittliches. Das
ist jetzt anders: Er füllt auch von der Interpretation her die Figuren
ganz aus. Er hat den Mut, schwere Stellen ohne Netz und doppelten Boden
zu singen, und es geht fast immer gut, weil er die technische Sicherheit
hat, auch nicht perfekte Einsätze gut nach Hause zu bringen. Seine
Stimme ist immer noch jungenhaft-hell, was den vielen hohen
Evangelisten-Stellen richtig Glanz gibt und den gleichen Effekt hat wie
Henschel als Jesus- der Evangelist verliert das Salbungsvolle und wird
zu einem, der mir wirklich was erzählt.
Ganz grossartig!
Im Programmheft waren die Solisten aus dem Chor an der entsprechenden
Stelle mit Namen ausgewiesen,das stimmte aber nicht immer, was
spätestens dann klar war, als statt eines Mannes ein Frauenalt erklang..
So intim sind wir nicht mit dem Chor, dass wir nun jede Stimme mit Namen
benennen könnten- aber wir konnten immer mal hochlinsen, und wenn wir
wen erkannt haben, konnten wir meist auch sagen , wer es war.
Es sangen jedenfalls Katharine Fuge und Elin Manahan Thomas (eine
unwiderstehliche Stimme, wer die "Santiago"-CD vom Monteverdi Choir hat,
siehe Lied 1 !)
Die Altistin Clare Wilkinson sang genauso gerade und natürlich wie die
Soprane, was ich mir noch schwieriger vorstelle bei der Altstimme, denn
beim Brustregister ist man ja doch mal versucht, ein bisschen
nachzuschieben, damit noch ein bisschen mehr Klang entsteht. Das
wunderschöne Duett mit Chor "So ist mein Jesus nun gefangen- lasst ihn,
haltet, bindet nicht" sangen Clare Wilkinson und Elin Manahan Thomas so
herzzerreissend, dass die Zeit stehen blieb.
Jeremy Budd war der Tenor für alle Fälle, mit mächtigem Peng, und zu
Genz´hellem Tenor irgendwie fast bedrohlich dunkel.
William Towers hatte nicht immer Glück mit seiner Altstimme.
Julian Clarkson übernahm die Bassarien, mir ist jetzt aber gar nichts
mehr in Erinnerung.
Der Chor selbst war wie immer traumhaft- die können einfach zusammen
singen, hören aufeinander und jeder ist für sich selbst schon ein toller
Sänger.
Die angestammte erste Violinistin und auch der erste Cellist waren nicht
da, das merkte man an einigen Stellen, wenn es nicht so perfekt wie
sonst klang.
Das war eine sehr aufregende Matthäus-Passion!
Sabine
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