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Bellman in Priebergs Handbuch [message #229767] Mon, 09 May 2005 00:34
Peter Brixius  
Während eines Gespräches über Benatzky und die Operette im Dritten
Reich, scrollte ich geduldig in Priebergs elektronischen Handbuch, um
von der Einstiegsstelle "Be.." zu Benatzky zu kommen, eine Tätigkeit,
die mir zwar das Handbuch etwas verleidet, die aber doch auch zu
überraschenden Erkenntnissen führen kann.

Da finde ich doch auf meinem dornenreichen Weg durch "Be" den Eintrag
"Bellman, Carl Michael"? Wie das? Bellman im "Handbuch deutsche
Musiker 1933-1945"? War Bellman ein deutscher Musiker? Die Lebensdaten
(1740-1795) lassen vermuten, dass er kein Parteigenosse war. Was
veranlasste den Artikel?

Gespannt lese ich weiter: "Abendlied: Tritt vor, du Gott der Nacht,
und dämpf der Sonne Glühen (eigner T[ext], deutsche Fassung: Han[n]s
von Gumppenberg). Aus 'Fredmans Sanger'." Sollte es sich um ein
NS-Kampflied handeln, das Prieberg nun entdeckte? Schnell mal
nachgeschaut, als Bellman-Liebhaber habe ich auch mehrere
Übersetzungen da (das schwedische Original will ich hier nicht
zitieren):

Tritt vor, du Gott der Nacht, der Sonne Glut zu dämpfen,
lass deiner Sterne Schein das Abendrot bekämpfen,
kühl ab die laue Flut;
der Augen Vorhang schließ, erlös von Qual und Krämpfen
das allzu heiße Blut.

Lied Nr. 32 aus Fredmans Lieder (hier in der Übersetzung von Ernst
List) ist der "Abendgesang", Frau Assessorin Weltzin gewidmet. O
Bellman und deine Frauen! Ein stimmungsvoller Abendgesang, der die
anakreontischen Spuren schnell vergessen lässt:

Ein leichter kühler Wind stricht über Laub und Quellen,
doch unterm Erlenzweig auf dunkelblauen Wellen
rührt sich das Ruder kaum.
Am Fels ein Wasserschwall; auf Raub die Hechte schnellen
durchs Schilf am Ufersaum.

Am Ende noch die antiken Anspielungen:

Nachtfriede schließt das Aug, und Schlaf sinkt auf die Lider,
leg fort die Flöte, Pan; Alexis singe wieder
zur Laute unterm Laub.
Zyklopen, Faune, still! Ihr Geister, schweigt, fallt nieder
und ruht im Erdenstaub!

Dazu eine wundersame Melodie vom G-dur sich immer wieder ins Moll
wendend, eines meiner vielen Lieblingslieder von Bellman. Was sucht
das zum Teufel in Priebergs Handbuch? Da ist nichts kriegerisch,
menschenverachtend, hetzerisch. Sollte es an Hanns von Gumppenberg
(ja, so schreibt der sich) liegen? Aber nein, diesem "Scharfrichter",
1926 gestorben, gegen Ende seines Lebens ein eher konservativer
Literaturkritiker, verdanken wir solche Pretiosen wie:

DAS GALGENLIED
(In der kalten Hopserweis)
Die Nacht ist trüb und trostlos,
Die Nacht ist schaurig und stumm;
Wir seufzen und ringen die Hände,
Und stolpern klagend herum.

Es spielt auf der Galgenwiese
Der gelbe Mondenglanz,
Dort knixen und hopsen die Geister
Im quirlenden Nebeltanz.

Feinsliebchen, wir wollen uns hängen,
So wie es der Liebe Brauch:
Und morgen Nacht, Feinsliebchen,
Da knixen und hopsen wir auch.

nach Heinrich Heine


oder

FRAGEN
Ich stand auf grüner Halde,
Ich stand so still...
Was wohl im grünen Walde
Die Tanne will?

Da haucht aus grünem Walde
Der Wind mir zu:
"Du Mann auf grüner Halde -
Was willst denn du?"

nach Martin Greif

.... also ein Parodist von Gottes Gnaden, von dem man im Internet etwa
"Goethes 'weder-weder' und Schillers 'noch-noch'. Zwei Weimarer
Festvorträge von Professor Dr. Immanuel Tiefbohrer" findet
( http://www.phil.uni-erlangen.de/~p2gerlw/parodie/gumppen5.ht ml) mit
dem genialen Schluss

"Staunende Ehrfurcht läßt uns verstummen; in unseren Herzen aber
klingt der Jubelruf: Weder noch Goethe, noch weder Schiller - nein, so
wohl als auch Schiller, als auch sowohl Goethe ist unser Größter!"

Nein, Gumppenberg dürfte auch nicht der Anlass sein, Bellman ins
"Handbuch" zu setzen. Ein lockerer Vogel der. Wer soviel Heine
parodiert, konnte im Dritten Reich eigentlich nicht mehr verlegt
werden.

Am Ende des Eintrags bei Prieberg steht:

"In:
Der Ring (1935)"

Die Suche führt mich (schon wieder scrollenderweise) von "Der Ring" -
Anthologie zu Gustav Schulten (1897-1945), einem Schüler von F. Jöde.
Er wurde zwar 1937 in die Partei aufgenommen, doch vier Jahre später
wieder ausgeschlossen, weil er das Parteiabzeichen nicht trug
(Prieberg, 6362). 1934 wird sein "Kilometerstein" angeführt (den ich
auch in einer neueren Auflage im Regal stehen habe), von dem Prieberg
feststellt: "Es handelt sich um eine Kollektion aus der Praxis der
Jugendformation, die Stumpfsinn und Leere organisierten Denkens
überzeugend spiegelt. Geistreiche Titel sind selten. Aus dummen und
blöden ist zu lernen, daß Afrikaner und Asiaten Menschfresser und
Ausländer sowieso schlecht sind." (6365)

Prieberg macht sich die Mühe, die Titel der Lieder aufzuführen. Da
finden sich tatsächlich solche Lieder wie: "Im dunklen Wald, da steht
kein Försterhaus", "Ich bin als Lump gefahren wohl durch das weite
Land", "Unrasiert und fern der Heimat", "C-a-f-f-e-e", "Schrum,
schrum, wer arbeit, der ist dumm", "Wir haben Hunger, Hunger, Hunger",
"Fröhlich sei das Mittagessen" (nach einer Melodie aus dem "Don
Giovanni"), "Umbra, umbra, umbra", "Salam aleikum", "Auf der Mauer,
auf der Lauer, sitzt ne kleine Wanze", "Wo mag denn nur mein Christian
sein" usw. usf. - einen Großteil der Lieder habe ich auch gesungen,
als ich noch mit dem Rucksack und einer Bande Jungs quer Deutschland
unterwegs war - und wir fanden sie furchtbar stumpfsinnig und mussten
uns zwingen, sie zu singen :-) Aber statt "geistreicher" wie etwa
"Brich den Hungrigen dein Brot" schienen uns stumpfen Lieder wie "Wir
haben Hunger" als Aufforderung an unsere Fahrtenköche öffensichtlich
angemessener. O ja, "Ein Hase saß im tiefen Tal" und "Ein Hund lief in
die Küche" bis "Freut euch des Lebens! Großmutter ham se mit der Sense
rasiert". Viele dieser Lieder stehen in den "linken" Liederbüchern
auch - der jugendliche Stumpfsinn scheint die Jahre zu überdauern. Und
die Pfarrjugend ist auch ein paramilitärischer Verband ...

"Der Ring" ist nun ein "Liederbuch für den Tageslauf und den
Jahreskreis für Feste und Feiern", das Schulten herausgegeben hat. In
diesem Liederbuch findet sich in der Abteilung "Der Abend" u.a. "kein
schöner Land in dieser Zeit", "Gelassen stieg die Nacht ans Land" -
und Bellmans "Tritt vor, du Gott der Nacht."

Deshalb steht nun Bellman in Priebergs "Handbuch", weil ein Schulten
in einem Liederbuch von 1935 sein Lied aufgenommen hat - und
Zuccalmaglio muss sich nun auch finden (ich bin jetzt zu müde, um noch
nach ihm zu scrollen), den "Zehn hat die Glock geschlagen", bzw. schon
seit einiger Zeit "zwölfe" - und so kann man ein nützliches Handbuch
am Ende unnütz machen.

Das Thema der Liederbücher ist allerdings nicht zu unterschätzen, denn
über die Lieder gewann die Partei die Köpfe - nicht nur der
Jugendlichen. Nur Bellmans Lied hat daran eher einen hemmenden Anteil
.....



Arachne, lass dein Garn, die Arbeit ist zu Ende,
meinst du, dass süßes Spiel dein wundes Herz nicht fände?
Nein, lauschend neige dich!
Den Hammer lass, Vulkan, leg vors Gesicht die Hände!
Denn nun - nun schlaf auch ich.



Es grüßt herzlich

Peter






--
Man rührt die Trommel. Sie zerspringt im Klange.
Brot wird Zusatz und Blut wird Bier,
Mein Vaterland, mir ist nicht bange!
Die Mörder sitzen im Rosenkavalier. (Hasenclever)
Re: Bellman in Priebergs Handbuch [message #230324 ] Tue, 10 May 2005 00:57
spam-or-nospam  
Vorsicht: dieser Beitrag ist wahrscheinlich v=F6llig OT!


Mon, 09 May 2005 00:34:02 +0200 Peter Brixius schrieb:=20

> Da finde ich doch auf meinem dornenreichen Weg durch "Be" den Eintrag
> "Bellman, Carl Michael"=3F Wie das=3F Bellman im "Handbuch deutsche
> Musiker 1933-1945"=3F War Bellman ein deutscher Musiker=3F Die Lebensda=
ten
> (1740-1795) lassen vermuten, dass er kein Parteigenosse war.=20

*prust*
Danke. Es wird doch noch ein sch=F6ner Abend.

> Gespannt lese ich weiter: "Abendlied: Tritt vor, du Gott der Nacht,
> und d=E4mpf der Sonne Gl=FChen (eigner T[ext], deutsche Fassung: Han[n]=
s
> von Gumppenberg).

Oh. Das war doch der mit den Parodien, oder=3F

> Tritt vor, du Gott der Nacht, der Sonne Glut zu d=E4mpfen,
> lass deiner Sterne Schein das Abendrot bek=E4mpfen,
> k=FChl ab die laue Flut;
> der Augen Vorhang schlie=DF, erl=F6s von Qual und Kr=E4mpfen
> das allzu hei=DFe Blut.

(Was ist das f=FCr eine Form=3F - Meine Verslehre schweigt sich aus...)

> Dazu eine wundersame Melodie vom G-dur sich immer wieder ins Moll
> wendend, eines meiner vielen Lieblingslieder von Bellman.

Du machst mich neugierig.

> Was sucht
> das zum Teufel in Priebergs Handbuch=3F Da ist nichts kriegerisch,
> menschenverachtend, hetzerisch. Sollte es an Hanns von Gumppenberg
> (ja, so schreibt der sich) liegen=3F Aber nein, diesem "Scharfrichter",
> 1926 gestorben, gegen Ende seines Lebens ein eher konservativer
> Literaturkritiker, verdanken wir solche Pretiosen wie:
>=20
> DAS GALGENLIED=20

Also doch =5Fder=5F Gumppenberg.

[...]

> Am Ende des Eintrags bei Prieberg steht:
>=20
> "In:
> Der Ring (1935)"
>=20
> Die Suche f=FChrt mich (schon wieder scrollenderweise) von "Der Ring" -
> Anthologie zu Gustav Schulten (1897-1945), einem Sch=FCler von F. J=F6d=
e.
> Er wurde zwar 1937 in die Partei aufgenommen, doch vier Jahre sp=E4ter
> wieder ausgeschlossen, weil er das Parteiabzeichen nicht trug
> (Prieberg, 6362). 1934 wird sein "Kilometerstein" angef=FChrt (den ich
> auch in einer neueren Auflage im Regal stehen habe), von dem Prieberg
> feststellt: "Es handelt sich um eine Kollektion aus der Praxis der
> Jugendformation, die Stumpfsinn und Leere organisierten Denkens
> =FCberzeugend spiegelt. Geistreiche Titel sind selten. Aus dummen und
> bl=F6den ist zu lernen, da=DF Afrikaner und Asiaten Menschfresser und
> Ausl=E4nder sowieso schlecht sind." (6365)

Nett formuliert. Klingt, als ob man das gelesen haben sollte.
=20
[Liederliste gesnippt]

Ja, etliche kommen mir auch (aus aktiven Zwangssingzeiten) durchaus=20
bekannt vor.

> Viele dieser Lieder stehen in den "linken" Liederb=FCchern
> auch - der jugendliche Stumpfsinn scheint die Jahre zu =FCberdauern.

Wie tr=F6stlich.


> Und die Pfarrjugend ist auch ein paramilit=E4rischer Verband ...

Ich sag nur "Ulrike Meinhoff".

[...]

> Deshalb steht nun Bellman in Priebergs "Handbuch", weil ein Schulten
> in einem Liederbuch von 1935 sein Lied aufgenommen hat - und
> Zuccalmaglio muss sich nun auch finden (ich bin jetzt zu m=FCde, um noc=
h
> nach ihm zu scrollen), den "Zehn hat die Glock geschlagen", bzw. schon
> seit einiger Zeit "zw=F6lfe" - und so kann man ein n=FCtzliches Handbuc=
h
> am Ende unn=FCtz machen.

Das Handbuch differenziert also nicht zwischen Personen (die Gegenstand=20
der Handbucheintr=E4ge sind) und allg. Personen- und Sachregister=3F
=20
> Arachne, lass dein Garn, die Arbeit ist zu Ende,
> meinst du, dass s=FC=DFes Spiel dein wundes Herz nicht f=E4nde=3F
> Nein, lauschend neige dich!
> Den Hammer lass, Vulkan, leg vors Gesicht die H=E4nde!
> Denn nun - nun schlaf auch ich.

Ganz vorz=FCglich. Mu=DF ich kennenlernen.

Und weil ich durch Deinen wunderbaren Artikel so gut gestimmt bin:


Hanns von Gumppenberg

Liebesjubel

Ich ritzt' es gern in alle R=FCben ein,
Ich stampft' es gern in jeden Pflasterstein,
Ich bi=DF' es gern in jeden Apfel roth,
Ich strich es gern auf jedes Butterbrod,
Auf Wand, Tisch, Boden, Fenster m=F6cht' ich's schreiben:
Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben!

Ich sch=F6r' es gern in jede Taxusheck',
Graviert' es gern in jedes E=DFbesteck,
Ich s=E4t' es gern als lecker gr=FCne Saat
Ins Gartenbeet mit Kohlkopf und Salat,
In alle Marzipane m=F6cht' ich's dr=FCcken
Und spicken gern in alle Hasenr=FCcken
Und zuckerz=E4h auf alle Torten treiben:
Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben!!

Ich m=F6cht' mir zieh'n ein junges K=E4nguruh,
Bis da=DF es spr=E4ch' die Worte immerzu,
Zehn junge K=E4lbchen sollen froh sie br=FCllen,
Hell wiehern hundert buntgescheckte F=FCllen,
Trompeten eine Elefantenheerde,
Ja, was nur kreucht und fleucht auf dieser Erde,
Das soll sie schmettern, pfeifen, quaken, bellen,
Bis da=DF es dr=F6hnt in allen Trommelfellen
Mit einem L=E4rm, der gar nicht zu beschreiben:
Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben!!!

(aus: Das teutsche Dichterross, vorgeritten in allen Gangarten)




Manfred
--=20
Dieses Feld bitte nicht beschriften oder bestempeln
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Re: Bellman in Priebergs Handbuch [message #232351 ] Tue, 17 May 2005 20:17
Peter Brixius  
On Tue, 10 May 2005 00:57:39 +0200, spam-or-nospam [at] gmx.de (Manfred
Russ) wrote:


>> Gespannt lese ich weiter: "Abendlied: Tritt vor, du Gott der Nacht,
>> und dämpf der Sonne Glühen (eigner T[ext], deutsche Fassung: Han[n]s
>> von Gumppenberg).
>
>Oh. Das war doch der mit den Parodien, oder?

Genau der!

>
>> Tritt vor, du Gott der Nacht, der Sonne Glut zu dämpfen,
>> lass deiner Sterne Schein das Abendrot bekämpfen,
>> kühl ab die laue Flut;
>> der Augen Vorhang schließ, erlös von Qual und Krämpfen
>> das allzu heiße Blut.
>
>(Was ist das für eine Form? - Meine Verslehre schweigt sich aus...)

Das Grundvermaß ist ein Alexandriner, allerdings mit der Besonderheit,
dass die dritte und die fünfte Zeile nur je einen "halben" bringen.
Man entsinnt sich antiker Formen, die auch mit verkürzten Zeilen
arbeiten. Es ist immer eine Möglichkeit, das Strömen der jambischen
Sechsheber aufzufangen und zu konzentrieren. Die Reimfreudigkeit
(AABAB) macht es nicht einfach, ihn zu übersetzen ...

>
>> Dazu eine wundersame Melodie vom G-dur sich immer wieder ins Moll
>> wendend, eines meiner vielen Lieblingslieder von Bellman.
>
>Du machst mich neugierig.

Die klassische Aufnahme ist von Raddatz (leider nicht mehr zu haben),
auch die von Bärengäßlin (auch nicht mehr zu haben) ist
empfehlenswert. (Die deutsche Bellmandiskografie ist ein Trauerspiel!)

>> "Es handelt sich um eine Kollektion aus der Praxis der
>> Jugendformation, die Stumpfsinn und Leere organisierten Denkens
>> überzeugend spiegelt. Geistreiche Titel sind selten. Aus dummen und
>> blöden ist zu lernen, daß Afrikaner und Asiaten Menschfresser und
>> Ausländer sowieso schlecht sind." (6365)
>
>Nett formuliert. Klingt, als ob man das gelesen haben sollte.

Ich habe mir flugs mein Exemplar wieder aus dem Regal genommen. Da
gibt es dieses entsetzliche Lied (alle empfindlichen Gemüter bitte
überlesen!)
Es lebt der Eisbär in Sibirien,
es lebt in Afrika das Gnu,
es lebt der Säufer in Delirien,
in meinem Herzen lebst nur du.

mit der doch sehr bedenklichen Strophe

Es rußt bei Krupp der Eisenhammer,
es rußt der Schornstein immerzu,
es rußt der Ofen in der Kammer,
in meinem Herzen ruhst nur du.

....



>
>Das Handbuch differenziert also nicht zwischen Personen (die Gegenstand
>der Handbucheinträge sind) und allg. Personen- und Sachregister?

Nein - und das macht die Benutzung zu einer Qual, wenn man sich durch
eine dicke pdf-Datei scrollen darf!

>
>Hanns von Gumppenberg
>
>Liebesjubel
>
>Ich ritzt' es gern in alle Rüben ein,
>Ich stampft' es gern in jeden Pflasterstein,
>Ich biß' es gern in jeden Apfel roth,
>Ich strich es gern auf jedes Butterbrod,
>Auf Wand, Tisch, Boden, Fenster möcht' ich's schreiben:
>Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben!
>
>Ich schör' es gern in jede Taxusheck',
>Graviert' es gern in jedes Eßbesteck,
>Ich sät' es gern als lecker grüne Saat
>Ins Gartenbeet mit Kohlkopf und Salat,
>In alle Marzipane möcht' ich's drücken
>Und spicken gern in alle Hasenrücken
>Und zuckerzäh auf alle Torten treiben:
>Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben!!
>
>Ich möcht' mir zieh'n ein junges Känguruh,
>Bis daß es spräch' die Worte immerzu,
>Zehn junge Kälbchen sollen froh sie brüllen,
>Hell wiehern hundert buntgescheckte Füllen,
>Trompeten eine Elefantenheerde,
>Ja, was nur kreucht und fleucht auf dieser Erde,
>Das soll sie schmettern, pfeifen, quaken, bellen,
>Bis daß es dröhnt in allen Trommelfellen
>Mit einem Lärm, der gar nicht zu beschreiben:
>Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben!!!
>
>(aus: Das teutsche Dichterross, vorgeritten in allen Gangarten)
>

Jaaaaaa!

Es grüßt herzlich

Peter

--
Man rührt die Trommel. Sie zerspringt im Klange.
Brot wird Zusatz und Blut wird Bier,
Mein Vaterland, mir ist nicht bange!
Die Mörder sitzen im Rosenkavalier. (Hasenclever)
Re: Bellman in Priebergs Handbuch [message #236294 ] Wed, 01 June 2005 18:07
spam-or-nospam  
Tue, 17 May 2005 20:17:19 +0200 Peter Brixius schrieb:=20

[Bellman]
> >> Tritt vor, du Gott der Nacht, der Sonne Glut zu d=E4mpfen,
> >> lass deiner Sterne Schein das Abendrot bek=E4mpfen,
> >> k=FChl ab die laue Flut;
> >> der Augen Vorhang schlie=DF, erl=F6s von Qual und Kr=E4mpfen
> >> das allzu hei=DFe Blut.
> >
> >(Was ist das f=FCr eine Form=3F - Meine Verslehre schweigt sich aus...=
)
>=20
> Das Grundverma=DF ist ein Alexandriner, allerdings mit der Besonderheit=
,
> dass die dritte und die f=FCnfte Zeile nur je einen "halben" bringen.
> Man entsinnt sich antiker Formen, die auch mit verk=FCrzten Zeilen
> arbeiten.=20

Eben. Sechshebiges Barock mit Zeilenverk=FCrzung, die an antikische Oden=20
erinnert, aber zu glatt durchl=E4uft.

[...]
> >> "Es handelt sich um eine Kollektion aus der Praxis der
> >> Jugendformation, die Stumpfsinn und Leere organisierten Denkens
> >> =FCberzeugend spiegelt. Geistreiche Titel sind selten. Aus dummen un=
d
> >> bl=F6den ist zu lernen, da=DF Afrikaner und Asiaten Menschfresser un=
d
> >> Ausl=E4nder sowieso schlecht sind." (6365)
> >
> >Nett formuliert. Klingt, als ob man das gelesen haben sollte.
>=20
> Ich habe mir flugs mein Exemplar wieder aus dem Regal genommen. Da
> gibt es dieses entsetzliche Lied (alle empfindlichen Gem=FCter bitte
> =FCberlesen!)
> Es lebt der Eisb=E4r in Sibirien,
> es lebt in Afrika das Gnu,
> es lebt der S=E4ufer in Delirien,
> in meinem Herzen lebst nur du.
>=20
> mit der doch sehr bedenklichen Strophe
>=20
> Es ru=DFt bei Krupp der Eisenhammer,
> es ru=DFt der Schornstein immerzu,
> es ru=DFt der Ofen in der Kammer,
> in meinem Herzen ruhst nur du.

Ich wei=DF, wie's gemeint ist. Trotz alledem: es erinnert mich an Artmann=20
("afrika geht jetzt zur ruh"). Abgr=FCnde und Ambivalenzen tun sich da au=
f=20
- da=DF Rihm das noch nicht vertont hat!=3F


Manfred
--=20
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Re: Bellman in Priebergs Handbuch [message #237293 ] Sun, 05 June 2005 21:06
Peter Brixius  
Hallo Manfred,

On Wed, 1 Jun 2005 18:07:54 +0200, spam-or-nospam [at] gmx.de (Manfred
Russ) wrote:

>Tue, 17 May 2005 20:17:19 +0200 Peter Brixius schrieb:
>

>
>Eben. Sechshebiges Barock mit Zeilenverkürzung, die an antikische Oden
>erinnert, aber zu glatt durchläuft.

Wie glatt, kann man aus der Übersetzung leider nicht schließen, im
schwedischen Text sehe ich da schon Tendenzen, eine Eintönigkeit zu
vermeiden, sei es durch übergreifende Strukturen (die dritte Hebung
ist z.B. auf einem syntaktisch "schwachen" Wort), sei es durch
mehrsilbige Wörter, sei es durch Untergliederungen, die ein metrisches
Sprechen verhindern.

(Bsp.:
Cycloper, Fauner, tyst! halt, Gastar! opp at tjuta
Vid storm och jordeskalf.

Hier entspricht dem "cycloper" das unterbrochene "halt, Gastar!" Die
starke Abwechslung von drei-, zwei- und einsilbigen Wörtern und das
Enjambement in die letzte Zeile nehmen dem Vers mE jede Glätte.)


>> Es rußt bei Krupp der Eisenhammer,
>> es rußt der Schornstein immerzu,
>> es rußt der Ofen in der Kammer,
>> in meinem Herzen ruhst nur du.
>
>Ich weiß, wie's gemeint ist. Trotz alledem: es erinnert mich an Artmann
>("afrika geht jetzt zur ruh").

Dass h.c. artmann Bellman übersetzt hat, schließt wieder den Kreis.
Aber auch seine Sprachkunst kommt bei dem obigen Vers an eine Grenze,
da er versucht, den Vers nicht zu sprengen:
"Zyklopen, faune, schweigt! Hinweg ihr Ungeheuer"
Der erste Teil ist perfekt, der zweite gehorcht Reim- und Verszwang.)

>Abgründe und Ambivalenzen tun sich da auf
>- daß Rihm das noch nicht vertont hat!?
>
Man müsste es ihm nahebringen :-)

Es grüßt herzlich

Peter

--
Man rührt die Trommel. Sie zerspringt im Klange.
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Mein Vaterland, mir ist nicht bange!
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