| Tschaikowsky 6. Sinfonie: Bassklarinette [message #229752] |
Fri, 06 May 2005 14:22 |
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Im ersten Satz, am Ende des Adagio-Teils, erklingt pianissimo eine
absteigende Klarinettenlinie, deren letzte Töne aber für die "normale"
Klarinette zu tief wären und deshalb in den mir geläufigen Aufführungen
von der Baßklarinette gespielt werden.
Gestern sah und hörte ich im TV eine Aufführung unter Leitung von R.
Norrington. Dort wurden zu meinem Erstaunen diese letzten Töne jedoch
vom Fagott gespielt.
Wie ist es denn nun vom Komponisten gedacht / notiert? Und warum gibt es
diese zwei verschiedenen Praktiken?
Vielen Dank im voraus!
R. Kompf
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| Re: Tschaikowsky 6. Sinfonie: Bassklarinette [message #229754 ] |
Fri, 06 May 2005 23:40 |
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Fri, 06 May 2005 14:22:57 +0200 Rudolf Kompf schrieb:=20
> Im ersten Satz, am Ende des Adagio-Teils, erklingt pianissimo eine
> absteigende Klarinettenlinie, deren letzte T=F6ne aber f=FCr die "norma=
le"
> Klarinette zu tief w=E4ren und deshalb in den mir gel=E4ufigen Auff=FCh=
rungen
> von der Ba=DFklarinette gespielt werden.
>=20
> Gestern sah und h=F6rte ich im TV eine Auff=FChrung unter Leitung von R=
..
> Norrington. Dort wurden zu meinem Erstaunen diese letzten T=F6ne jedoch
> vom Fagott gespielt.
Und das ist richtig so. Alldieweil das so in den Noten steht.
> Wie ist es denn nun vom Komponisten gedacht / notiert=3F Und warum gibt=
es
> diese zwei verschiedenen Praktiken=3F
Ein Fagott kann nicht in dem Ma=DFe ein bis ans Verstummen heranreichende=
s=20
pppp spielen wie die Klarinette, ohne da=DF die T=F6ne wegbrechen.
Viele Dirigenten sehen darin ein Manko bzw. eine instrumentaltechnische=20
Nachl=E4ssigkeit Tschaikowskys und ersetzen daher das Fagott durch eine=20
Ba=DFklarinette.
Damit ist zwar dem dynamischen Verlauf jener Stelle gen=FCge getan,=20
allerdings wirkt das ganze (auf mich) dann eher steril und nivelliert;=20
es fehlt etws ganz bestimmtes. Ein wesentliches, schwer zu=20
beschreibendes Moment des Wegsterbens, die Anstrengung dieser Passage,=20
die h=F6rbare M=F6glichkeit des Scheitern, was - sollte dies eintreten -=20
durchaus im Sinne einer Interpretation sein k=F6nnte.
Zumindest am Anfang des 20. Jhds. hat man, aus =E4hnlichen =DCberlegungen=
,=20
am Schlu=DF des Adagios die Violinen tiefer gestimmt (fragt mich jetzt=20
bitte nicht, wie), um den 4. Ton (fis) des Tetrachordmotivs (2. Thema)=20
noch erreichen zu k=F6nnen.
Manfred
--=20
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