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Unterstützung gesucht, Thema: Erhöhung der Nachfrage an klassischer Musik allg. [message #228175] Sun, 01 May 2005 18:16
bg  
Ich wohne in München und programmiere beruflich Datenbanken. Daneben spiele
ich sehr gern Klavier und bin befreundet mit verschiedenen Musikern und
Musikstudenten.

Der deutsche Musikunterricht an Schulen ist der Hauptgrund für wenig
Beliebtheit klassischer Musik in Deutschland. Statt dass Schüler die
Schönheit der Musik kennen lernen werden sie mit einem Lernfach
konfrontiert, in dem es um trockene Theorie geht und die Musik lediglich von
CD kommt. Seit Jahrzehnten ist es daher kein Wunder, wenn kaum ein
Jugendlicher freiwillig in ein klassischer Konzert geht. Auch wenn
heutzutage einzelne Leute sehr attraktive Jugendkonzerte veranstalten, bei
denen Jugendliche mit den Musikern sprechen und Instrumente ausprobieren
können: Damit erreicht man immer noch eine Minderheit, weil die Mehrheit
aufgrund schlechter Erfahrungen im Schulmusikunterricht gar nicht erst bei
solchen Konzerten auftauchen.

Das wesentliche Element, das im Schulmusikunterricht fehlt, heißt:
Persönlicher, unmittelbarer Bezug zu Musikern und ihrer Musik.

Aus diesem Grund habe ich eine Initiative gestartet, bei der es unmittelbar
darum geht, Musikstudenten zu mobilisieren und im Schulmusikunterricht
aufzutreten. Die Hauptaufgabe dabei besteht darin, sie aus ihrem
"Dornröschenschlaf" aufzuwecken, denn ich habe persönlich in Gesprächen und
Umfragen bei einigen Musikstudenten herausgefunden, dass sich fast kein
Student darum kümmert, wie sich die Beliebtheit klassischer Musik ändern
ließe. Insbesondere gibt es an der Musikhochschule München Konkurrenzdenken
bzw. ein schlechtes Image von Schulmusikstudenten anderen Studenten
gegenüber, die einen Diplomstudiengang absolvieren. Das Schulmusikstudium
wird vielfach als "künstlerisch minderwertig" angesehen. Richtig dagegen
wäre, sich mit Schulmusikstudenten zu verbünden, um gemeinsam an der
Qualität des Schulmusikunterrichts zu arbeiten.

Die Nachfrage an klassischer Musik nicht nur in Deutschland hängt davon ab,
arrogante Fehlvorstellungen aus schulischem Musikunterricht auszumerzen und
ihn auf ein künstlerisch akzeptables Niveau zu bringen.

Ich suche Verbündete, die mit mir dabei zusammenarbeiten, den schulischen
Musikunterricht auf diese Weise zu verbessern. Dies soll unmittelbar über
Musikstudenten und einzelne Professoren passieren, die ich mobilisieren
will. Die Beamten aus Hochschul-Verwaltungen lasse ich aus diesem Konzept
draußen, weil sie es sind, die bisher versagt haben (jeder Schulemusiklehrer
wurde mal an einer Musikhochschule von Beamten ausgebildet, die sich nicht
in die Lage von Schülern hineinversetzen können). Alle Ihre Kontakte zu
Musikstudenten können hierfür wichtig sein, ebenso alle Ideen, die Sie
darüber haben, wie ich dieses Projekt effektiv und ohne überflüssigen
Aufwand gestalten kann.

Bitte melden Sie sich kurzfristig und teilen mir mit, ob wir uns mal für ein
gemeinsames Konzept in dieser Richtung zusammensetzen sollten!

Freundliche Grüße,

WM
Re: Unterstützung gesucht, Thema: Erhöhung der Nachfrage an klassischer Musik allg. [message #228178 ] Sun, 01 May 2005 20:25
Joachim Pense  
Willi Müller:

> Ich wohne in München und programmiere beruflich Datenbanken. Daneben
> spiele ich sehr gern Klavier und bin befreundet mit verschiedenen Musikern
> und Musikstudenten.
>
> Der deutsche Musikunterricht an Schulen ist der Hauptgrund für wenig
> Beliebtheit klassischer Musik in Deutschland. Statt dass Schüler die
> Schönheit der Musik kennen lernen werden sie mit einem Lernfach
> konfrontiert, in dem es um trockene Theorie geht und die Musik lediglich
> von CD kommt. Seit Jahrzehnten ist es daher kein Wunder, wenn kaum ein

In der Erfahrung mit der Musikerziehung meiner Kinder (in Schule und
Konservatorium) kann ich eine übermäßige Theorielastigkeit nicht entdecken.
Was ich eher sehe, ist ein Rückgang der Klassik im Vergleich zu z.B. Jazz
und (horribile dictu) Musical.

An und für sich finde ich das gar nicht mal so verkehrt. Ich finde es
besser, wenn meiner Tochter (Klavieranfängerin) ein vereinfachtes Ragtime-
oder Boogie-Stück nahegebracht wird, als die zu meiner Zeit übliche Unzahl
von "Ländlern" und "Spielstücken".

Die Schulorchester und (zumindest die auf meinem Radarschirm) spielen an
stelle der zu meiner Zeit fast ausschließlich erlaubten Klassik gleich so
gut wie keine Klassik mehr. Sondern eben Musical (und - wie gesagt, das ist
eher erfreulich - Jazz, wobei die Schüler im Bereich der Soli natürlich nur
erste Ansätze bringen können). Immerhin, für die Orchesterleiter ist das
ein guter Kompromiss: sie lassen die Kinder den Kitsch spielen, der
ankommt, der aber andererseits technisch sicher hochgradig anspruchsvoll
ist.

Das ist schon eine Frage: wie kann man Heranwachsenden die Klassik
nahebringen. Die massenhafte Präsenz dieser Musik hat sie für mich
zumindest zum Thema gemacht. Lieben gelernt habe ichs sie dann allerdings
erst Jahrzehnte später, aber dieser Prozess wäre vermutlich nicht in Gang
gekommen, wenn die Klassik nicht für mich ein lebenslanges "Problem"
gewesen wäre.

Joachim
Re: Unterstützung gesucht, Thema: Erhöhung der Nachfrage an klassischer Musik allg. [message #228536 ] Mon, 02 May 2005 11:07
Michael Hoffmann  
On Sun, 1 May 2005 18:16:48 +0200, Willi Müller wrote:

> Auch wenn
> heutzutage einzelne Leute sehr attraktive Jugendkonzerte veranstalten, bei
> denen Jugendliche mit den Musikern sprechen und Instrumente ausprobieren
> können: Damit erreicht man immer noch eine Minderheit, weil die Mehrheit
> aufgrund schlechter Erfahrungen im Schulmusikunterricht gar nicht erst bei
> solchen Konzerten auftauchen.
>
Ich meine, es kommt auch sehr auf den Veranstaltungsort an.
In meiner Jugend- und Studentenzeit, also vor etwa 20 Jahren, gab es
einigermaßen regelmäßig klassische Konzerte in der Hamburger "Fabrik",
einer Veranstaltungshalle, in der in entsprechender Atmosphäre
normalerweise Rock und Jazz-Konzerte stattfinden. *Das* war für mich
Musikerlebnis pur, wenn z.B. der Saxofonist spielend durch die
Zuschauerreihen ging, und man nicht frontal vor dem, sondern um das
Orchester herum saß oder stand; vielleicht auch mit einem Glas Cola oder
Bier in der Hand.

Damals gab es auch regelmäßig im NDR im "Club", einer allabendlichen
zweistündigen Sendung für Jugendliche mit idR. entsprechender Pop- und
Rock-Musik, eine Reihe "Junge Klassik" oder so, in der klassische Musik
diesseits von Bach und Mozart vorgestellt wurde; also z.B. Musik von
Gershwin.

BTW: Eines meiner Patenkinder besuht eine sogenannte "Musikklasse". In
einem ganz normalen Gymnasium ist eine der drei Eingangsklassen als
Musikklasse eingerichtet worden, in der alle Schüler ein Instrument lernen
und so ein Orchester bilden.

Gruß
Michael

--
Die menschliche Sprache ist einzigartig, aber nicht eindeutig. Jeder Versuch,
sich mitzuteilen, kann nur mit dem Wohlwollen der anderen gelingen. (Maria
Benning in der Zeitschrift c't, 6/2002)
Re: Unterstützung gesucht, Thema: Erhöhung der Nachfrage an klassischer Musik allg. [message #228541 ] Mon, 02 May 2005 00:05
Harald Schollmeyer  
Hallo,

Willi Müller schrieb:
> Der deutsche Musikunterricht an Schulen ist der Hauptgrund für wenig
> Beliebtheit klassischer Musik in Deutschland.

Eine sehr gewagte These. Genausogut könnte man das Gegenteil behaupten,
denn es gibt sehr engagierte Lehrer, die bei vielen ihrer Schüler
Begeisterung für klassische Musik wecken.

> Statt dass Schüler die
> Schönheit der Musik kennen lernen werden sie mit einem Lernfach
> konfrontiert, in dem es um trockene Theorie geht und die Musik lediglich von
> CD kommt.

Wenn das so ist, ist es schlechter Unterricht. Das muß man ändern,
aber das wird ja bereits getan. Es geht lediglich nicht von heute auf
morgen flächendeckend, es ist ein langwieriger und örtlich
unausgeglichener Prozeß. Guter Musikunterricht hängt äußerst stark
von der Lehrerpersönlichkeit ab und von dessen individuellen Engagement.
Abgesehen davon, daß neben dem Kennenlernen musikalischer Schönheit auch
andere Lerninhalte berücksichtigt werden müssen, gehen sowohl die
amtlichen Lehrpläne wie auch die durchschnittliche schulische Praxis
des Musikunterrichts weit über das Theorielernen hinaus.

> Seit Jahrzehnten ist es daher kein Wunder, wenn kaum ein
> Jugendlicher freiwillig in ein klassischer Konzert geht.

Die Schuld beim schulischen Musikunterricht zu suchen wäre allerdings
zu kurz gegriffen, da spielen noch viele andere Faktoren mit hinein.

> Aus diesem Grund habe ich eine Initiative gestartet, bei der es unmittelbar
> darum geht, Musikstudenten zu mobilisieren und im Schulmusikunterricht
> aufzutreten. Die Hauptaufgabe dabei besteht darin, sie aus ihrem
> "Dornröschenschlaf" aufzuwecken,

Das ist ein sehr romantischer Ansatz. Was sollen die aber im Unterricht
machen? Spielen? Das alleine reicht bei weitem nicht, um Interesse zu
wecken, da wird eine Durchschnittsklasse noch nicht mal ansatzweise den
Lärmpegel senken. Um Interesse zu wecken, müssen Zusammenhänge
geschaffen werden, da muß drüber geredet werden, da kann eigenes
Handeln der Schüler eine Rolle spielen, und, und, und... Also ist
man da beim typischen Musiklehrerproblem "Wie plane ich eine gute
Musikstunde". Der selbst spielende Musikstudent kann dazu etwas
beitragen, aber er kann kein Lerngegenstand sein, nur eine Art
Medium.

> Insbesondere gibt es an der Musikhochschule München Konkurrenzdenken
> bzw. ein schlechtes Image von Schulmusikstudenten anderen Studenten
> gegenüber, die einen Diplomstudiengang absolvieren. Das Schulmusikstudium
> wird vielfach als "künstlerisch minderwertig" angesehen.

Du formulierst hier ziemlich fatale Zusammenhänge.
Schulmusikerstudenten lernen zwangsläufig künstlerisch nicht so viel
bzw. so tiefgehend wie Studenten der künstlerischen Studiengänge.
Daraus ein schlechtes Image abzuleiten ist abwegig, denn Schulmusik
ist nun mal ein anderes Fach. Äpfel und Birnen. Genauso könnte man
ja Studenten der Diplomstudiengänge vorwerfen, sie seien keine
guten schulischen Musiklehrer. Genauso abwegig.

> Richtig dagegen
> wäre, sich mit Schulmusikstudenten zu verbünden, um gemeinsam an der
> Qualität des Schulmusikunterrichts zu arbeiten.

Es ist und bleibt alleine Sache der beruflichen Schulmusiker, für einen
guten schulischen Musikunterricht zu sorgen. Es kann ja jeder Lehrer
sich Orchestermusiker (evtl. die alten Kommilitonen) in den Unterricht
als Bereicherung einladen, das befürworte ich auch sehr.
Lediglich die Initative und die inhaltliche Planung solchen Unterrichts
muß alleine Sache der Schulmusiker sein.

> Die Nachfrage an klassischer Musik nicht nur in Deutschland hängt davon ab,
> arrogante Fehlvorstellungen aus schulischem Musikunterricht auszumerzen und
> ihn auf ein künstlerisch akzeptables Niveau zu bringen.

Mit den "arrogante Fehlvorstellungen" wäre ich mal sehr vorsichtig, denn
im schulischen Musikunterricht muß natürlich noch viel mehr behandelt
werden, als nur die Schönheit klassischer Musik. Popular- und Volksmusik
sowie eigenes gestalten von Musik und Tanz sind ebenso riesige Felder,
die genauso abgedeckt werden müssen.

> Ich suche Verbündete, die mit mir dabei zusammenarbeiten, den schulischen
> Musikunterricht auf diese Weise zu verbessern. Dies soll unmittelbar über
> Musikstudenten und einzelne Professoren passieren, die ich mobilisieren
> will.

Musikstudenten und Professoren praktizieren aber keinen schulischen
Musikunterricht (bzw. nur in vernachlässigbarem Ausmaß). Der Unterricht
wird von Lehrern praktiziert, die Lehrpläne erfüllen müssen. Die real
existierenden Lehrpläne kann man nicht ignorieren, wenn man Vorschläge
für die Verbesserung des schulischen Musikunterrichts macht.
Ich sage nicht, daß deine Initiative falsch ist, nur sie beruht auf
einem zu idealistischen Ansatz. Bei einer praktischen Umsetzung deiner
Ideen wird nicht viel von der guten Absicht übrigbleiben.

> (jeder Schulemusiklehrer
> wurde mal an einer Musikhochschule von Beamten ausgebildet, die sich nicht
> in die Lage von Schülern hineinversetzen können).

Das halte ich für ein Vorurteil. Hast du Schulmusik studiert?

Harald

(Schulmusik/Dipl.-Studiengang Instr.-Päd.)
Re: Unterstützung gesucht, Thema: Erhöhungder Nachfrage an klassischer Musik allg. [message #228542 ] Tue, 03 May 2005 09:28
Notifier Deamon  
Post removed (X-No-Archive: yes)
Re: Unterstützung gesucht, Thema: Erhöhung der Nachfrage an klassischer Musik allg. [message #228543 ] Tue, 03 May 2005 09:28
Volker Gringmuth  
Willi Müller wrote:

> (jeder Schulemusiklehrer wurde mal an einer Musikhochschule von
> Beamten ausgebildet, die sich nicht in die Lage von Schülern
> hineinversetzen können).

Die können es wirklich nicht? Und deshalb können die Lehrer es selbst
auch nicht?

Zwei gewagte Thesen. Das muß dann für alle Lehrer gelten, nicht nur für
Musik-, es gibt also per definitionem keine guten Lehrer.

Meine Schulzeit birgt zum Glück andere Erfahrungen.


vG

--
~~~~~~ Volker Gringmuth ~~~~~~~~~~~ http://einklich.net/ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

"Man sollte keine Dummheit zwei Mal begehen; die Auswahl ist groß genug."
(Jean Paul Sartre)
Re: Unterstützung gesucht, Thema: Erhöhung der Nachfrage an klassischer Musik allg. [message #228779 ] Wed, 04 May 2005 09:30
John Strieder  
Was meckert ihr alle über den Aufruf von Willi Müller? Ist das, was er
hier vorschlägt, nicht eine tolle Sache? Dazu hat sich keiner geäussert.
Ja, vielleicht sollte er, wenn er mit dieser Sache im weiteren Auftritt
diese Kritik fortlassen. Denn so verliert man evtl. Leute, die man
braucht, um das zu machen.

Übrigens, ich habe das so erlebt. Der Musikunterricht an der Schule
hat bei mir zu keinerlei Begeisterung für die klass. Musik geführt.
Immerhin sollte es damals einen Opernbesuch geben (Barbier von
Sevillia). Ich nahm nicht teil, nehme an, es hätte zu grösserer Aversion
geführt. Nun, damals gab es aber ein Stück, das mir gefiel: "Denn alles
Fleisch" aus dem Deutschen Requiem Brahms'.

Was ich mir von einem Musikunterricht wünsche, ist, das alle
Musikrichtungen den Kindern näher gebracht werden, und nicht nur das,
von dem irgendein Lehrer meint, das würde den Kindern gefallen. Also
nicht nur Musical, Kinderlieder und Mozart. Sondern auch Volksmusik
aller Herren Länder, Progrock, Heavy Metal und alle Richtungen der
Moderne. Wobei ich gerade auf letztere Wert lege. Ich habe es immer und
immer wieder erlebt. Vielen, für die klassische Musik "langweiliges,
fröhliches gedudel" war, werden durch moderne klassische Musik ein Ohr
geöffnet. (Wenn im Unterricht als "Sinfonie" die 1. Beethovens
vorgestellt wird, wird für die Schüler das ein für alle mal eine
Sinfonie sein. Das es auch welche von Mahler, Fartein Valen, Roger
Sessions usw. gibt, werden sie nicht wissen, woher auch?) Und das kann
auch zur Beschäftigung mit älterer Musik führen. Es gibt eben
verschiedene Leute: Der eine mag Vivaldi, der andere eher soetwas
brutales wie die Streichquartette Rihms, wieder ein anderer mag Morton
Feldman, usw. usf. Ich denke, für jeden kann es ein "Einstiegsstück"
geben. Und ein 10jähriger kann durchaus von den Klaviersonaten Boulez'
begeistert sein.

Das schlimme an unserer derzeitigen "Musikkultur" überhaupt ist ja, das
viele nur das kennen, was im Radio gespielt wird. Für die meisten gibt
es nichts anderes. Wir haben weiss-gott-wieviele Radiosender, und alle
spielen immer nur die selben 15 Songs. Und wenn man einen der zwei
Sender für klassische Musik einschaltet, läuft da meist keine Musik,
irgendwer Quatscht, es ertönt ein Hörspiel oder, wenn denn mal Musik,
auch immer nur dasselbe.

Lehrer sollten keine Angst haben, wilde, schräge, verrückte Sachen zu
spielen. Wer sich die Jugend von Heute ansieht, wird merken, das sie
genau das sucht.

Viele Grüsse,

John Strieder
Re: Unterstützung gesucht, Thema: Erhöhung der Nachfrage an klassischer Musik allg. [message #229768 ] Mon, 09 May 2005 09:52
Michael Hoffmann  
On Wed, 04 May 2005 09:55:49 +0200, John Strieder wrote:

> Der Musikunterricht an der Schule
> hat bei mir zu keinerlei Begeisterung für die klass. Musik geführt.
>
Liegt das vielleicht einfach am Alter der meisten Schüler?

Immerhin hat klassische Musik idR. recht komplexe Strukturen. So etwas
liegt nunmal nur wenigen Kindern und Teenagern (und Erwachsenen).

Gruß
Michael

--
Die menschliche Sprache ist einzigartig, aber nicht eindeutig. Jeder
Versuch, sich mitzuteilen, kann nur mit dem Wohlwollen der anderen
gelingen. (Maria Benning in der Zeitschrift c't, 6/2002)
Re: Unterstützung gesucht, Thema: Erhöhung der Nachfrage an klassischer Musik allg. [message #229769 ] Mon, 09 May 2005 10:12
Johannes Roehl  
Michael Hoffmann schrieb:

> On Wed, 04 May 2005 09:55:49 +0200, John Strieder wrote:
>
>>Der Musikunterricht an der Schule
>>hat bei mir zu keinerlei Begeisterung für die klass. Musik geführt.
>
> Liegt das vielleicht einfach am Alter der meisten Schüler?
>
> Immerhin hat klassische Musik idR. recht komplexe Strukturen. So etwas
> liegt nunmal nur wenigen Kindern und Teenagern (und Erwachsenen).

Mit demselben Argument könnte man auf jeglichen über die 7. Klasse
hinausgehenden Unterricht in z.B. Mathematik verzichten: Algebra oder
gar Infinitesimalrechnung sind viel zu kompliziert, da hat kaum ein
Schüler Lust drauf. Und erst Goethe, Cicero oder Shakespeare in den
entsprechenden Fächern!

SCNR

JR

--
Philosophers, like shampoo manufacturers, would always like to call
their products 'natural'.
(P. Godfrey-Smith)
Re: Unterstützung gesucht, Thema: Erhöhung der Nachfrage an klassischer Musik allg. [message #230322 ] Mon, 09 May 2005 20:33
Erhard Schwenk  
Michael Hoffmann schrieb:
> On Wed, 04 May 2005 09:55:49 +0200, John Strieder wrote:

>>Der Musikunterricht an der Schule
>>hat bei mir zu keinerlei Begeisterung für die klass. Musik geführt.

> Liegt das vielleicht einfach am Alter der meisten Schüler?

> Immerhin hat klassische Musik idR. recht komplexe Strukturen. So etwas
> liegt nunmal nur wenigen Kindern und Teenagern (und Erwachsenen).

Das halte ich jetzt allerdings für ein Gerücht. Und zwar in beiderlei
Hinsicht.

Kinder und Teenager interessieren sich zum Einen sehr wohl für komplexe
Dinge - nur wird ihnen dieses Interesse leider im Zuge des
Frontalunterrichts, der dauerhaften Medienberieselung und nicht selten
auch ob tiefergehender Fragen genervter Erwachsener recht zielgerichtet
aberzogen. Es wurde längst vielfach gezeigt, daß Kinder und Jugendliche
viel weiter zu denken in der Lage sind, als man glaubt - wenn sie doch
endlich nur mal einer lassen würde.

Zum anderen ist klassische Musik nicht zwangsläufig besonders komplex.
Viele Werke und Ideen bestechen im Gegenteil sogar durch eine geradezu
ergreifende Schlichtheit.

Was vielleicht problematisch ist, ist die Länge der meisten größeren
Werke. Das trifft aber nicht nur Kinder und Jugendliche. Im Zeitalter
der 2-Minuten-Popsongs und der 8-Sekunden-Werbespots sind die meisten
Leute einfach nicht mehr in der Lage, 10 oder mehr Minuten intensiv
zuzuhören, ohne irgendwie körperlich aktiv zu werden, geschweige denn
sich für die Dauer einer Abendfüllenden mehrsätzigen Sinfonie oder gar
einer Oper zu konzentrieren.

Zuhörer fühlen sich heutzutage einfach genervt, wenn irgendetwas mehr
als 10 Sekunden ihre Aufmerksamkeit erfordert :-(.

--
Erhard Schwenk

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