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Musik im Dritten Reich - Heinrich Spitta [message #224605] Sat, 16 April 2005 14:20
Peter Brixius  
Was es bedeutet, auf Priebergs Handbuch Zugriff zu haben, zeigt der
Artikel "Heinrich Spitta". Liest man im Brockhaus Riemann nach, so
scheint es nichts Kontroverses um den "deutschen Komponisten und
Musikforscher" zu geben. Allenfalls auffällig ist die große Lücke
zwischen 1924 und 1957 - dreiunddreißig Jahre ohne etwas, das ein
Lexikon vermerken könnte?

"Heinrich Arnold Theodor, Sohn von Friedrich und Neffe von Philipp
Sp., * 19.3.1902 Straßburg, † 23.6.1972 Lüneburg; dt. Komponist und
Musikforscher, promovierte in Göttingen 1924 mit der Diss. Schütz'
Orchester und unveröffentlichte Werke, war in der Komposition Schüler
von H. Grabner und A. Mendelssohn und wurde 1957 Prof. für
Musikerziehung an der Pädagogischen Hochschule in Lüneburg. Bekannt
geworden ist sein Chor Heilig Vaterland op. 31 (darüber eine
Orgelpartita op. 48)."

[Brockhaus-Riemann Musiklexikon: Spitta. Brockhaus Riemann
Musiklexikon, S. 9899 (vgl. BRM Bd. 4, S. 179) (c) Schott Musik
International]

Bei Prieberg sind es immerhin 26 Seiten, gefüllt mit Spittas Werk und
Schaffen. Doch lassen wir Spitta selbst zu Wort kommen. 1939 schriebt
er in Lauer: "Das völkische Lied", München 1939, S. 238, folgenden
Lebenslauf:

"ich wurde am 19.3.1902 in Straßburg im Elsaß geboren, ging dort zur
Schule und erlebte in der Nähe der Front den Krieg. Das jahr 1917 sah
mich im Landdienst, das jahr 1918 in militärischer Vorbereitung. Ende
1918 zwangen die Franzosen zum Verlassen des Landes, der Heimat. - In
Göttingen studierte ich Musikwissenschaft, in Leipzig festigte ich in
vertiefender Weise meine Kenntnis der Satzlehre. 1926 bin ich in
Berlin, bereite mich auf den Beruf des Lebens, des Erziehers vor. Das
Volkslied wird mir zur unerschöpflichen Quelle, die das Geheimnis der
deutschen Seele birgt; das eigene Schaffen nimmt immer stärker darauf
Bezug. Als mit dem Jahre 1933 ein deutscher Liederfrühling anbricht,
klingen meine Lieder zuerst bei meinen Kindern in der Schule, und ihr
Urteil ist mir der untrüglichste Wertmesser gewesen. Seitdem mich
Obergebietsführer Cerff ins Arbeitslager der HJ nach Landeck einberief
(1934), ist mein Schaffen in erster Linie der Hitlerjugend
verpflichtet. Sie hat auch alle meine großen Werke, angefangen vom
'Deutschen Bekenntnis' bis zur Kantate 'Land, mein Land' zum ersten
Mal erklingen lassen."

Seine Werke haben z.T. eigene Texte wie das "Kriegslied" (1939)

"Drum weiter, immer weiter
ins Feindesland hinein,
es tanzten Polens Streiter
den grausen Todesreih'n.
Die Ernt ist eingebracht,
wir stehen auf der Wacht,
wir halten fest das Siegespfand
für unser Vaterland.
Denn wir marschieren,
denn wir marschieren,
denn wir marschieren
für unser Land,
der Führer, der Führer,
der Führer ist das Band,
wir schwören ihm die Treue,
Mann für Mann in die Hand.

Schon 1936 hat er vertont:

Sie haben uns schon klein geglaubt.
Nun komme zehnfach auf ihr Haupt
die Not, die sie uns schufen.
Die Zeit ist reif und reif die Saat.
Ihr deutschen Schnitter, auf zur Mahd:
Der Führer hat gerufen!"


Obwohl nach nazistischen Kriterien "Vierteljude" hat dies für ihn
keine Folgen dank seines Engagements für das Regime. Die durchweg
kriegsverherrlichenden Texte entsprechen auch seinem weiteren Weg, in
der Wehrmacht steigt er zum Leutnant auf, bevor er uk gestellt wird.
Dooch am 6.12.1944 meldet er sich wieder freiwillig zum Volkssturm. Er
stand nach 1945 auf der "Schwarzen Liste" der US-Militärregierung.

(Zitate aus Prieberg: Handbuch Artikel "Spitta" S. 6720-6746).

Bei Prieberg findet man auch hinreichend Quellenangaben und Standorte
für Tonaufnahmen u.ä.

HTH

Es grüßt herzlich

Peter



--
Man rührt die Trommel. Sie zerspringt im Klange.
Brot wird Zusatz und Blut wird Bier,
Mein Vaterland, mir ist nicht bange!
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