Musik » de.rec.musik.klassik » Mahler 8.
Re: Mahler 8. [message #341690 ] Mon, 12 June 2006 22:30
Oliver Scholz  
Werner Hintze <usenetmail [at] floridante.de> writes:

> On Mon, 12 Jun 2006 21:05:16 +0200 Oliver Scholz wrote:
>
>>Dass habe ich mit Sicherheit nicht behauptet.
>
> Es ist mir jetzt zu umständlich, die entsprechende Stelle
> herauszusuchen. Aber Du hast es selbstverständlich behauptet, als Du
> meintest, erklären zu sollen, es sei vollkommen richtig, dass unsere
> akademische Philosophie die Philosophie Indiens oder Japans ignoriert,
> weil dies gar keine Philosophie im eigentlichen Sinne sei.

Je nun, es mag, wie gesagt, sein, dass ich bei meinem Insistieren auf
der Philosophie im eigentlichen Sinne etwas zurück rudern muss. Und
vielleicht würde ich auch ein oder zwei andere Sätze etwas weniger
scharf formulieren. Ansonsten musst Du gar keine Stellen heraus
suchen, denn der Streitpunkt auf den es mir ankommt, steht hier unten:

>>Es mag sein, dass ich
>>mich ins Unrecht setzte, als ich zwischen Philosophie mit
>>Anführungszeichen und ohne Anführungszeichen unterschied. Mir ging es
>>nur darum Deine Behauptung zurück zu weisen, dass es
>>selbstverständlich sein sollte, dass man sich als (europäischer)
>>Fach-Philosoph auch mit buddhistischer Philosophie beschäftigt.
>
> Warum nicht? Wenn es für Japaner selbstverständlich ist, sich mit
> europäischer zu befassen Wo ist der Unterschied? Ich kann ihn nicht
> erkennen.

Zum "warum nicht?" meine ich mich schon geäußert zu haben. Mag sein,
dass das alles unverständlich, unzusammenhängend oder schlicht
unhaltbar war, aber da hätte ich schon genauere Hinweise gebraucht,
wenn ich mich nicht einfach wiederholen möchte. Wie es um die Japaner
steht, dazu kann ich nichts sagen, dazu weiß ich zu wenig. Aber wenn
ich forschen sollte, würde ich zunächst der Frage nachgehen, ob sie
sich nicht mit der Übernahme der Wissenschaften modernen westlichen
Zuschnitts (sic!) und anderer gesellschaftlicher Phänomene der
europäischen Moderne, auch die entsprechenden Fragestellungen für die
Philosophie eingehandelt haben.

> Übrigens liegt der Fall (um kurz ein Thema zu streifen, das in diese
> NG gehört) im Bereich der Musik ganz identisch.

Eben nicht. Eben ganz und gar nicht. Das ist ja genau mein Punkt. Ich
spreche ja eben nicht von, sagen wir, dem persönlichen Gewinn, den ein
Einzelner aus der intensiven argumentativen Auseinandersetzung mit
einer Philosophie ziehen kann, die aus der Wissenskultur XY kommt. Ich
spreche von der systematischen Rolle der Philosophie in der
wissenschaftlichen Arbeitsteilung.

> Es ist ja wohl albern anzunehmen, dass es für einen Chinesen oder
> Japaner leichter sei, sich in europäische Musik hineinzudenken, als
> es für uns ist, uns in chinesische Musik hineindenken. Während diese
> das aber tun, geschieht das bei uns überhaupt nicht. (Man komme mir
> nicht mit den bekifften Liebhabern des Exotischen, die sich gern an
> Ragas berauschen, von denen die allermeisten kein Jota verstehen.)
> Warum ist das so? Und lohnt es wirklich nicht, sich mit der Musik
> aus China oder Inden ernstlich auseinanderzusetzen? Etwa weil
> richtige Musik nur bei uns gemacht wird?

Natürlich nicht. Alles genau so d'accord. Ich selbst habe mich hier
schon für genau diesen oder einen ähnlichen Standpunkt ausgesprochen.

Was mich betrifft, kann ich sagen, es ist vor allem Mangel an
Gelegenheit. Man sieht selten traditionelle Chinesische Opern auf
deutschen Bühnen. Wenn ihr einmal eine in deutscher Übersetzung
aufführen wolltet, dann würde ich dafür vielleicht sogar nach Berlin
kommen. Das Problem stellt sich auch anders: ich habe hier eine
CD-Reihe aus fünf CDs mit klassischer Chinesischer Musik. Alles sehr
interessant, nur leider sind die Informationen alle auf Chinesisch.

Ich bestehe übrigens so auf dem "klassisch" und "traditionell", denn
für die Moderne ist das noch einmal ein wenig komplexer. Die Moderne
ist im wesentlichen international. Die Musik von Komponisten wie
Sandeep Bhagwati (um nur einen zu nennen, der hier häufiger gespielt
wird) gehört (unbeschadet indischer Einflüsse, aber die gibt es auch
bei Komponisten, die hier geboren wurden) nicht einfach nur diesem
oder jenen Kulturkreis an.


Oliver
--
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Re: Mahler 8. [message #341693 ] Mon, 12 June 2006 22:51
Notifier Deamon  
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Re: Mahler 8. [message #341694 ] Mon, 12 June 2006 22:52
Oliver Scholz  
Werner Hintze <usenetmail [at] floridante.de> writes:

> On Mon, 12 Jun 2006 22:30:29 +0200 Oliver Scholz wrote:
>
>>Ich
>>spreche von der systematischen Rolle der Philosophie in der
>>wissenschaftlichen Arbeitsteilung.
>
> Genau. Du sprichst von etwas, worüber Du nicht urteilen kannst, weil
> Du gar nicht weißt, wovon die Rede ist. Wenn ich Dich darauf hinweise,
> dass Deine Auffassung von dem, was z.B. buddhistische Philosophie ist,
> ganz und gar im Irrtum bist, erklärst Du, dass es schon sein kann,
> dass Du Dich da irrst, dass das aber nichts daran ändert, dass Du
> recht hast.
>
> Dabei können wir es gern bewenden lassen. Zusammengefasst: Du bist
> zwar aus Unkenntnis im Irrtum, hast aber nichtsdestoweniger vollkommen
> recht.

Pff. Von mir aus.

Oliver
--
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